Blattläuse verhelfen zu einem guten Honigjahr

IMKEREI ⋅ Der Kälteeinbruch im Frühling hat die Blütenhonigerträge im Kanton Luzern markant gemindert. Dennoch bleibt 2017 als gutes Jahr in Erinnerung – aus zwei Gründen.
04. November 2017, 00:00

Das schöne Wetter und die feuchten Luftverhältnisse haben den Luzerner Imkern dieses Jahr eine prächtige Honigernte beschert. Besonders der Waldhonig sei in grossen Massen geerntet worden, weiss Ruedi Dahinden, Präsident des Verbands der Luzerner Imkervereine. «Dem Blütenhonig hingegen hat der Kälteeinbruch im April kräftig zugesetzt. Der Schneefall setzte genau dann ein, als der Raps blühte – das hatte entsprechend eine eher mässige Blütenhonigernte zur Folge», erklärt Dahinden, der in Entlebuch als Imker tätig ist.

Zahlen zur Ernte könne er keine nennen, denn die Erntemengen würden lediglich gesamtschweizerisch erfasst. Für das Jahr 2017 sind diese noch nicht veröffentlicht worden. Durchschnittlich liegt die jähr­liche Produktion bei landesweit rund 3200 Tonnen Honig.

Optimale Bedingungen in der zweiten Jahreshälfte

Den Blütenhonig gewinnt der Imker durch den Nektar, den die Bienen sammeln. Während rund eines Monats holt der Imker im Frühjahr den Blütenhonig ein. Je nach Entwicklung der Vegetation setzt dann die Ernte des Wald­honigs ein – meist zwei bis drei Wochen nachher.

Der Waldhonig ist ein Produkt aus Honigtau: Blattläuse zapfen den Saft der Bäume ab und scheiden einen Teil davon anschliessend wieder aus. Dieses Sekret wird von den Bienen eingesammelt und zu Honig weiterverarbeitet. Daher gilt für Ruedi Dahinden: «Wenn die Läusepopulation hoch ist, dann gibt es eine gute Waldhonigernte.» Unterstützend wirke dabei auch das Wetter: «Warme Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit tragen viel zu einer guten Ernte bei. Es darf aber nicht zu heiss sein, denn dann trocknet der Honigtau ein, und die Bienen können diesen nicht mehr aufnehmen.» Da exakt diese Bedingungen im laufenden Jahr erfüllt wurden, fiel die Waldhonigernte besonders gut aus.

Seit einiger Zeit scheint es, als ob jeweils im Zweijahresrhythmus gute Honigernten registriert werden. «Wir hatten 2011, 2013, 2015 und auch dieses Jahr vergleichsweise gute Ernten. Dafür gibt es keine pauschalen Gründe. Viel mehr hängt der Ertrag von den Wetterverhältnissen ab», sagt Dahinden.

Verkauft wird der Honig vom Grossteil der rund 1400 Luzerner Imker privat. Laut Dahinden produzieren nur wenige von ihnen für den Grosshandel. Landesweit decken die knapp 20000 Schweizer Imker mit ihrer Produktion rund einen Drittel der inländischen Nachfrage ab – der Rest wird importiert.

Bienensterben in Luzern? Nur punktuell ein Problem

Mit dem Dokumentarfilm «More Than Honey», der vor fünf Jahren in den Schweizer Kinos gezeigt wurde, sei auch die Anzahl der Imker gestiegen, meint Dahinden und fügt an: «Die Bienendichte im Kanton Luzern ist vergleichsweise hoch.» Das im Film thematisierte Bienensterben trete im Kanton Luzern lediglich punktuell als Problem auf: «Es gibt kein flächendeckendes Bienensterben. Für die Bestäubung unserer Kulturen haben wir definitiv genug Bienen.»

Wer sich als Imker versuchen möchte, der besucht vorzugsweise einen Imkerkurs in einem der acht Imkervereine im Kanton. Dieser beinhaltet 18Kurshalbtage während zweier Jahre. Der Kurs ist keine Pflicht, wird aber vom Verband der Luzerner Imker­vereine empfohlen. Dahinden verweist darauf, dass die Haltung von Bienen meldepflichtig ist. «Das ist wichtig, um im Falle von Brutkrankheiten effektive Massnahmen ergreifen zu können.»

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch


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