Branche überlebt dank Handel

05. August 2017, 00:00

Bootsbau In der Schweiz sind Bootsbauer generell dünn gesät. Das gilt auch für die Zentralschweiz. Nur wenige, darunter Pius Wäger, können sich noch behaupten – mit Luxusbooten oder Spezialanfertigungen. Die grosse Masse der Segel- und Motorjachten wird längst im Ausland hergestellt. «Mit dem Erstarken des Frankens wurden ausländische Neuboote so günstig wie noch nie», bestätigt Ivo Herzog, Geschäftsleiter Herzog Marinecenter AG in Alpnachstad. Seine Werft mit Hauptstandort Alpnachstad sowie Aussenstellen in Luzern und Gersau ist mit 20 Mitarbeitern die grösste am Vierwaldstättersee. Mit Schweizer Löhnen und den kleinen Stückzahlen sei es einfach nicht möglich, international erfolgreich zu konkurrieren, meint Herzog weiter. Das letzte serienmässig in seiner Werft gefertigte Boot – «ein kleines Fischerboot» – ging 1987 vom Stapel. Den Grossteil ihres Umsatzes erzielt die Herzog-Gruppe als einer der drei grössten Bootsimporteure der Schweiz seither mit Handel.

Von diesen Auslagerungstendenzen sind mittlerweile selbst die traditionellen Bootsbauer­nationen wie Deutschland, Holland, Frankreich, Norwegen oder Italien nicht verschont geblieben. Es mag erstaunen, aber Herzog weiss: «Heute ist Polen stückzahlmässig in Europa die grösste Bootsbauernation.» Schweizer Werften darben deswegen aber nicht: Das Geschäft hat sich lediglich verlagert. Umsatz und Rendite generiert heutzutage in erster Linie der Handel mit ausländischen Booten. Wichtige Einnahmen erzielen aber auch Unterhalts- und Restaurationsarbeiten. Die Globalisierung hat auch die Bootsbauer nicht verschont. «Damit geht natürlich viel Handwerkswissen unwiederbringlich verloren», beklagt Pius Wäger, der letzte Holzbootbauer am Vierwaldstättersee. (zar)


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