«Champions» sollen Impfung propagieren

GRIPPE ⋅ Diesen Winter könnte die Grippewelle besonders heftig ausfallen. Marco Rossi stimmt als Chefinfektiologe am Luzerner Kantonsspital zwar nicht in den Chor der Panikmacher ein – präsentiert aber trotzdem ein ganzes Bündel neuer Präventionsmassnahmen.
08. November 2017, 00:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Sie kommt so sicher wie der erste Schnee: die Grippe. Noch hat sie Europa und die Schweiz zwar nicht erreicht. Doch Prognosen zufolge soll dies in ein, zwei Monaten der Fall sein. Weiter wird vorausgesagt, dass die Grippe dieses Jahr sehr heftig ausfallen könnte. Grund zu dieser Annahme war die arge Grippewelle auf der Südhalbkugel, etwa in Australien. Dort sind dieses Jahr überdurchschnittlich viele Menschen an der Grippe erkrankt und selbst junge Personen am Virus gestorben. So liegt es auf der Hand, dass von der schlimmsten Grippewelle seit Jahrzehnten die Rede ist.

Ein Grund zur Panik? Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie des Luzerner Kantonsspital (Luks), sagt: «Solche Prognosen sind mit Vorsicht zu geniessen. Das Ausmass der Grippe werden wir erst kennen, wenn sie hier ist.» Dennoch bringt sich das Spital in Stellung: Ein Bündel von Grippeschutzmassnahmen soll Patienten wie Mitarbeiter vor der Influenza bewahren. Eine davon ist die Grippeimpfung. Das Personal kann sich ab dieser Woche wieder impfen lassen. Ein Thema, welches immer wieder zu hitzigen Diskussionen führt. Auch darum, weil die Impfrate im Luks gering ist. Weiter gehören die Händehygiene, das Maskentragen, die Erkennung von erkrankten Patienten und die Besucherinformation zum Grippeschutz.

Mitarbeiter animieren «ohne Druck»

Um diese Massnahmen besser umzusetzen, setzt man im Luks auf ein neues System. Rossi erklärt: «Auf verschiedenen Abteilungen haben wir sogenannte Champions eingesetzt. Das sind Mitarbeiter, die ohne Druck ihre Kolleginnen und Kollegen animieren, die Schutzmassnahmen umzusetzen und auch die Impffrage für sich zu beantworten. Die Diskussionen rund um die Grippeimpfung sollen im eigenen Team stattfinden.» Ein breites Angebot soll die Schwelle zur Impfung senken: Unter anderem können sich die Mitarbeiter nun auf der eigenen Abteilung impfen lassen.

Nach der Grippesaison wird man am Luks auswerten, ob sich die Champion-Methode bewährt hat. «Fällt die Impfquote geringer aus als im Vorjahr, müssen wir das System überdenken.» Letztes Jahr haben sich 12 Prozent des Pflegepersonals impfen lassen. 2015 waren es mit 6 Prozent noch halb so viele gewesen. Insgesamt – über alle Berufsgruppen hinweg – impfte sich 2015 jeder Fünfte. Eine gewünschte Impfquote hat Rossi nicht. Er sagt: «Solange die Tendenz steigend ist, sind wir zufrieden.»

Klar ist hingegen, warum sich das Spitalpersonal nur sehr zurückhaltend impfen lässt. So gaben die Angestellten in einer anonymen Anfrage etwa die teil­weise geringe Wirksamkeit der Impfung und mögliche Nebenwirkungen an. Zudem gehen viele davon aus, dass die Grippe eine harmlose Erkrankung ist.

15 Patienten steckten sich im Spital mit Grippe an

Um diesen Argumenten etwas entgegenzuhalten, hat der Infektiologe im vergangenen Jahr die internen Grippefälle untersucht (wir berichteten). Konkret: Rossi erfasste systematisch, wie viele Patienten sich am Luzerner Kantonsspital und seinen Standorten Wolhusen und Sursee mit dem Grippevirus angesteckt haben. Fazit: 15-mal ist es zu einer im Spital erworbenen Ansteckung gekommen, übertragen durch Mitarbeiter, Besucher oder Mit­patienten. Die Zahl scheint verschwindend klein bei einer jährlichen Patientenzahl von über 600000 und knapp 7000 Angestellten. Doch Rossi sieht es anders: «Das sind 15 zu viel. Wir haben noch Optimierungspotenzial.» Rossi weist darauf hin, dass es unter den Patienten, die sich im Spital angesteckt haben, «glücklicherweise keine gravierenden Fälle gab». Um die Zahl der spitalinternen Ansteckungen zu reduzieren, ergreift die Klinik auch Massnahmen für Besucher: So gibt es neu auf allen Abteilungen Mundschutzmasken. Besucher, die husten oder erkältet sind, werden aufgefordert, eine Maske zu tragen.

Der Grippeschutz umfasst weitere Massnahmen, wie etwa die sogenannte Hustenetikette. Diese Anstandsregel verlangt das Husten und Niesen in ein Papiertaschentuch oder falls nicht vorhanden in die Ellenbeuge. Nach dem Nasenputzen, Niesen oder Husten sind die Hände zu waschen.


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