Analyse zur ambulanten Grundversorgung

Das Spital muss die Hausärzte besser einbinden

14. April 2018, 00:00

Es gibt grob umfasst zwei Parteien in der medizinischen Versorgung. Zum einen die Spitäler, zum anderen die Hausärzte und die frei- praktizierenden Spezialärzte. Während dem Spital prioritär die Aufgabe zukommt, die stationären Behandlungen abzudecken, sind Hausärzte im ambulanten Bereich tätig und für die Grundversorgung der Bevölkerung verantwortlich. Nach und nach verwischen sich allerdings diese Grenzen: Spitäler lagern gewisse Bereiche aus und ergänzen ihr Angebot durch neue Praxen ausserhalb des Spitalareals. Dabei fischen sie natürlich zunehmend im Teich der Spezialärzte und sogar in jenem der Grundversorger, also der Hausärzte.

So auch das Luzerner Kantonsspital (Luks). Inzwischen verfügt das Zentrumsspital zusätzlich zu den drei Kliniken in Luzern, Sursee und Wolhusen über neun weitere Einrichtungen (Ausgabe vom 12. April). Begründet werden die zusätzlichen Standorte vorwiegend mit Platzmangel in den Kliniken.

Ein Blick zurück: Das Luzerner Kantonsspital ist heute über 35 Jahre alt. Unterdessen hat sich nicht nur im Spitalwesen einiges geändert. Aufgrund der demografischen Entwicklungen gibt es zum Beispiel deutlich mehr Patienten als 1982. Ausserdem hat die Medizin in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte erzielt: Neue Behandlungsmethoden wurden eingeführt, entsprechende Geräte angeschafft. Dafür braucht es Platz.

Es überrascht darum wenig, dass Spitäler räumlich an Grenzen stossen. Erweiterungen oder aber Auslagerungen sind die logische Konsequenz. So hat sich auch das Luks dazu entschieden, diverse Abteilungen an externen Standorten unterzubringen. Das Brustzentrum des Luzerner Kantonsspitals zieht zum Beispiel demnächst innerhalb der Stadt Luzern um, weil an der Neuen Frauenklinik auf dem Spitalareal dafür kein Platz mehr vorhanden ist. Weil es auch für die erst vor wenigen Jahren eröffnete Augenklinik am Hauptstandort bereits zu eng wurde, hat das Luks Teile davon in einem Aussenstandort ebenfalls in der Stadt Luzern untergebracht. Hinzu kommt, dass am Hauptstandort kontinuierlich Sanierungen nötig sind. Auch dies bringt Auslagerungen mit sich, da der Betrieb während Bauphasen aufrechterhalten werden soll. Denn es entspricht dem Bedürfnis jedes Einzelnen, dass er bei Krankheit oder Unfall zeitnah, kompetent und möglichst wohnortsnah behandelt wird.

Ärzte in der Grundversorgung wehren sich gegen solche Auslagerungen. Ein Dorn im Auge sind ihnen vor allem ambulante Spitalpraxen – etwa das Luks-Vorhaben, im Krienser Mattenhof mit der Medbase-Gruppe ein Ambulatorium mit Dutzenden von Mitarbeitern zu eröffnen. Solche Einrichtungen würden sie konkurrenzieren, finden die bereits vor Ort tätigen Ärzte. Neben der massiven Vergrösserung des Angebots sehen sie die Konkurrenz noch in einem weiteren Punkt: Sie befürchten, dass sie für die eigenen Praxen keine Ärzte mehr rekrutieren können, weil das Spital die möglichen Nachfolger für sich beansprucht.

Ferner kritisieren die Hausärzte, dass das Spital mit Ambulatorien zunehmend zum Monopolisten werde. Denn solche Praxen seien auch da, um für das Spital Patienten zu akquirieren – entsprechend werde, wer hier in Behandlung sei, bei Bedarf konsequent dem eigenen Spital zugewiesen. So mutiere das Luks zum Alleinversorger und generiere jedes Jahr mehr Gewinn.

Klar ist aber auch: Das Spital ist ein Unternehmen, welches wirtschaftlich denken, entsprechend agieren und Umsatz generieren muss. Das zeigt sich im Übrigen auch in der Tatsache, dass das Ambulatorium Mattenhof im pulsierenden und massiv wachsenden Süden der Stadt Luzern eröffnet werden soll – und nicht etwa in einem der strukturschwächeren Kantonsteile, wo ein zusätzliches Angebot in der medizinischen Grundversorgung womöglich von ganz vielen begrüsst würde.

Die Ansichten beider Seiten gründen auf nachvollziehbaren Argumenten. Die Diskrepanzen um die spitalexternen Ambulatorien haben allerdings eine weitere Ursache: mangelnde Kommunikation. Das Spital fällt offenbar Entscheide über den Kopf der Hausärzte hinweg. Dass da die Wogen – wie im Fall Mattenhof – hochgehen, liegt auf der Hand.

Bei solch grossen Projekten sollten sämtliche Akteure ins Boot geholt werden. Das Spital muss sich also fragen, wie die Hausärzte frühzeitig einbezogen werden können und wie ihre Tätigkeit gestärkt werden kann. Umgekehrt müssen auch die Hausärzte sich neuen Wegen in der ambulanten Medizin öffnen. Denn ob es die ursprüngliche Form des Hausarztes auch in 20 Jahren noch gibt, ist ungewiss. Fest steht hingegen: Patienten wird es auch in ferner Zukunft noch geben.

Man wolle das Beste für die Patienten, tönt es aus dem Spital und den Hausarztpraxen gleichermassen. Das Patientenwohl muss denn auch das oberste Gebot sein. Und damit das so bleibt, müssen Spitäler und Hausärzte nicht gegen, sondern miteinander arbeiten.

Yasmin Kunz Redaktorin Storypool

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch


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