Deutlich weniger Junglehrer fallen durch

ABSCHLUSS ⋅ Im Vorjahr hat rund ein Drittel der angehenden Lehrer und Lehrerinnen das Diplom nicht erhalten – so viele wie nie zuvor. Dieses Jahr zeigt sich eine andere Bilanz. Dafür gibt es vor allem einen Grund.
12. August 2017, 00:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Dieses Jahr liefern die Absol­venten der Pädagogischen Hochschule (PH) in Luzern ein gutes Ergebnis ab: Von den angehenden 112 Primarlehrerinnen und Primarlehrern haben nur deren 10 eine der Abschlussprüfungen nicht bestanden. Die häufigsten nicht bestandenen Prüfungen registrierte die PH Luzern im Studiengang Primarstufe in den Fächern Englisch und Mathematik.

Insgesamt konnten heuer 137 Lehrpersonen der Primarstufe das Diplom entgegennehmen – inklusive Studierende, welche die Nachprüfung bestanden haben. Das ist im Gegensatz zum Vorjahr eine massive Verbesserung: 2016 sind nämlich so viele Absolventen der Primarstufe durch die Abschlussprüfungen gerasselt wie nie zuvor. 32 Prozent mussten eine Prüfung erneut absolvieren oder noch das erforderliche Sprachdiplom absolvieren. Die meisten würden es beim zweiten Anlauf schaffen, sagt Jan Roth, Sprecher der PH Luzern. Beim Studiengang Kindergarten/Un­terstufe, welcher den Kindergarten sowie die 1. und 2. Primar­klasse umfasst, liegt die Durchfallquote dieses Jahr ebenfalls tief: Von 63 Absolventinnen haben nur 3 eine der Abschlussprüfungen nicht bestanden.

Beim viereinhalb Jahre dauernden Studium der Sekundar­stufe wurden im Januar 76 Studenten diplomiert. 44 konnten ihr Diplom erst im Juli entgegennehmen. Gemäss Roth haben die meisten dieser Studenten den Abgabetermin der Masterarbeit um ein Semester verschoben, ähnlich wie im Vorjahr. Für das generelle Nichtbestehen von Prüfungen gibt es unterschiedliche Gründe, wie Roth sagt. So könne es sein, dass in den kurzen dreijährigen Bachelorstudiengängen mit breiten Kompetenzanforderungen allfällige Defizite von einzelnen Studenten vor den Prüfungen «vielleicht nicht rechtzeitig aufgearbeitet werden konnten».

Fest steht: In allen drei Studiengängen sind nur sehr vereinzelt Studenten durch den praktischen Teil der Abschlussprüfung – die Diplomlektion – gefallen. Für die bessere Quote hat Roth eine Erklärung: «2016 war die Studienplanreform in Kraft getreten. Sie brachte eine Ausweitung der Fächer und neue Prüfungen für die Studierenden. 2017 wurden die Prüfungen zum zweiten Mal nach dem neuen Studienplan durchgeführt, wodurch sich die Situation wohl eingespielt und verbessert hat.» Nicht bestandene Prüfungen können im Herbst wiederholt werden. Für jene, die erneut durchfallen, gilt gemäss gesamtschweizerischer Regelung eine zweijährige Karenzfrist, bevor sie das Lehramtsstudium weiterführen können. Für das Erlangen von Sprachdiplomen, wie etwa das Advanced in Englisch, schreibt die PH Luzern keine Frist vor. Eine Anstellung ohne Lehrdiplom hat allerdings eine Lohneinbusse von jährlich bis zu 4000 Franken zur Folge.

Vielen Abgängern fehlt das Sprachdiplom

Ebenfalls deutlich besser abgeschlossen haben die Studenten an der Pädagogischen Hochschule Zug. 66 von 84 angehenden Kindergärtnerinnen und Primarlehrerinnen haben diesen Sommer das Diplom erhalten. Das entspricht einer Durchfallquote von etwas mehr als 21 Prozent. Im Vorjahr betrug diese Quote noch 35 Prozent. Beim Studiengang Kindergarten/Unterstufe haben alle 15 angehenden Lehrpersonen das Diplom erhalten. Anders sieht es auf der Primarstufe aus: 51 von 69 Studenten haben das Diplom erlangt.

Gemäss Luc Ulmer, Sprecher der PH Zug, hat ein grosser Teil das Lehrerpatent nicht erhalten, weil das Sprachdiplom fehlte. Luc Ulmer sagt: «Ideal wäre, wenn die Studierenden bereits mit dem internationalen Sprachzertifikat, wie etwa dem Advanced in Englisch, an der PH Zug einsteigen würden.»


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