Die Schraube für Wagenbauer wird erneut angezogen

FASNACHT ⋅ Für Fahrzeuge, die an der Fasnacht nur für den Barbetrieb oder Sachentransporte eingesetzt werden, gibt das Strassenverkehrsamt 2018 keine Fasnachtstagesschilder mehr ab. Wagenbauer beurteilen dies als reine Schikane.
13. Mai 2017, 00:00

Der Ideenreichtum der Wagenbauer ist bemerkenswert. Gewaltige Dampfloks, Monster oder Kernkraftwerke sind Sujets, die jeden Umzug bereichern. Für viele Wagen stellt das Strassenverkehrsamt Luzern (StVA) Fasnachtstagesschilder aus. Fahrzeuge, die umgebaut werden, müssen vorher geprüft werden. Bei der Vergabe der Nummern sind die Behörden kulant, die Anforderungen wurden aber erhöht.

Denn oft werden Gesuche für Fahrzeuge gestellt, die seit Jahren ausgemustert sind, technische Anforderungen nicht erfüllen oder nicht geeignet sind für die Fasnacht. Kurt Eicher, Bereichsleiter Verkehrszulassung beim StVA: «Manche werden grund­legend umgebaut. In einem Fall wurde der vordere Teil eines Autos mit dem Heck eines anderen kombiniert. Andere Fahrzeuge wurden mit Holz eingekleidet, sodass deren Gewicht weit über dem zulässigen lag.» Dafür stelle das Amt keine Schilder aus.

Wagenbauer: «Knebel zwischen die Beine gelegt»

Keine Chance auf Fasnachtstagesnummern haben neu Personen-, Liefer- und Lastwagen, die für Barbetrieb oder Sachentransporte eingesetzt werden. «Diese unterliegen der periodischen Prüfungspflicht. Nach der Prüfung können kostenpflichtige Tagesschilder beantragt werden», so Eicher. Für Kilian Isenschmid, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Hahnerüücher aus dem Seetal, ist dies Schikane. «Den Wagenbauern werden Knebel zwischen die Beine gelegt.» Seine Gruppe baue seit Jahren Sujetwagen, in die sie viel Herzblut und Geld investieren würden. Mit den immer härteren Auflagen werde es schwierig. «Durch die Kosten, die durch Gutachten und Bewilligungen entstehen, ist es für Vereine nicht mehr tragbar, etwas auf die Beine zu stellen. Wir bedauern, dass jegliche Fahrzeuge kostenintensiv geprüft werden müssen.» Dies habe nichts mit Sicherheit zu tun, sondern mit Geldmacherei. Um ihren Sujetwagen zu finanzieren, betreiben die 14 Männer eine Bar in einem Kühltransportanhänger. Für diesen wurde früher ein ­Fasnachtstagesschild bewilligt – nun nicht mehr. «Die sind ausschliesslich für Veranstaltungen ohne kommerziellen Charakter bestimmt», sagt Eicher.

Keine Tagesschilder gibt es für Fahrzeuge, die seit Jahren nicht immatrikuliert sind. Das gilt für Autos, Lieferwagen mit Brücken und alte Militär- oder Feuerwehrfahrzeuge. «Für solche werden immer mehr Gesuche eingereicht. Wobei sich die Frage stellt, was die mit Fasnacht zu tun haben», so Eicher. Man könne nicht für Fahrzeuge, die seit Jahren nicht eingelöst waren, Mängel aufweisen und nie nachgeprüft wurden, Tagesschilder abgeben. Die Fahrzeuge müssten zuerst nachgeprüft werden. Da gäbe es auch keine Ausnahmen für die Fasnacht. Eicher betont, dass man bei der Vergabe von Tagesschildern an das Gesetz gebunden sei. «Wir verlangen nur die minimalsten Vorschriften und möchten erreichen, dass Unfälle verhindert werden können. Sobald wir Kontrollschilder abgeben, machen wir uns mitverantwortlich. Ein Regress könnte für alle unangenehm und teuer werden.»

Urs Rogger, Wagenbauer der Spotzönder Kleinwangen und ­Inhaber einer Landmaschinen-Werkstatt, kennt die Situation von beiden Seiten. Er ist befugt, eine Betriebssicherheitsbestätigung für Fasnachtswagen auszustellen. «Wenn ausrangierte Fahrzeuge umgebaut werden, wird es auch für mich problematisch.» Man dürfe kein Risiko eingehen und müsse das Gesetz einhalten. Auch wenn es oft übertrieben sei für ­einen einmaligen Einsatz.

Mit der Zunahme der Gesuche für Fasnachtsnummern ist die Toleranzgrenze laut Eicher erreicht. «Wir wollen die Fasnacht nicht verhindern, sondern Lösungen anbieten. Wir versuchen, ­allen gerecht zu werden. Auch jenen, die sich über zu laute Fasnachtsfahrzeuge beschweren.»

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch


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