Ein Campus für mehr als 4000 Studenten

BILDUNG ⋅ Die Luzerner Regierung will den Hochschulstandort in Horw für 333 Millionen Franken massiv ausbauen. Unter anderem soll hier die Pädagogische Hochschule zusammengeführt werden. Das letzte Wort hat das Volk.
07. Juli 2017, 00:00

René Meier

rene.meier@luzernerzeitung.ch

Es sind grosse Pläne, welche die Luzerner Regierung am Hochschulstandort Horw gestern präsentierte. Sie will den Campus Horw bis 2026 für 333 Millionen Franken ausbauen. Bis dann soll dort auch die Pädagogische Hochschule Luzern (PH Luzern) integriert werden. «Platzprobleme, steigende Studentenzahlen sowie dringend notwendige Sanierungen zwingen uns zum Handeln», sagt Bildungsdirektor Reto Wyss. Eigentümer des 67500 Quadratmeter grossen Campus ist der Kanton Luzern. Er ist daher auch zuständig für den Ausbau. Rund die Hälfte des Areals ist unbebaut.

«Heute ist es auf dem Campus sehr eng. Der Leidensdruck ist hoch. Wir müssen bereits Räume zumieten», sagt Viktor Sigrist, Direktor der Hochschule Luzern – Technik & Architektur. Die Realisierung erfolgt ab 2020 in Etappen und soll ohne aufwendige Provisorien auskommen. In einer ersten Phase soll ein Erweiterungsbau für die Abteilung Technik & Architektur für 84 Millionen Franken erstellt werden. Der Bezug dieses zusätzlichen Gebäudes mit einer Fläche von 12000 Quadratmetern ist für 2024 geplant. Danach sollen die bestehenden Bauten für 100 Millionen Franken saniert werden. «Die Um- und Ausbauten sind nicht mehr aufschiebbar», ruft Wyss in Erinnerung. Die Hochschule müsse weiter wachsen dürfen, weil es einem grossen Bedürfnis der Unternehmen in der Zentralschweiz entspreche.

149 Millionen Franken für Neubau der PH Luzern

In einem dritten Schritt werden die heutigen Standorte der Pädagogischen Hochschule, welche auf zehn Liegenschaften in der Stadt Luzern verteilt sind, aufgegeben. Die PH soll ebenfalls in den Campus Horw integriert werden. Der dafür vorgesehene Neubau kostet rund 149 Millionen Franken und soll bis 2026 fertig erstellt sein. Damit ist das Projekt etwa gleich teuer wie der Bau der Universität beim Bahnhof Luzern. Die Regierung will mit der geplanten Integration der PH Luzern Synergien nutzen und Platzprobleme entschärfen. «Die heutige Verteilung auf zehn Standorte ist unwirtschaftlich und kostenintensiv», führt Kantonsbaumeister Hans-Urs Baumann aus. Die derzeit zugemieteten Flächen sollen gekündigt und kantonseigene Liegenschaften verkauft oder im Baurecht abgegeben werden.

Zusammen mit der PH Luzern studieren auf dem Campus Horw dereinst über 4000 junge Personen, dazu kommen rund 800 Mitarbeiter. Ein gemeinsamer Campus biete auch für Studenten viele Vorteile, versichert Wyss. So werde der Wissenstransfer gefördert oder Aula und Bibliothek könnten gemeinsam genutzt werden.

Die zentrale Frage von grossen Investitionen ist die Finanzierung. «Sie wird über eine kantonseigene Immobilien-AG sichergestellt», wie Finanzdirektor Marcel Schwerzmann betont. Diese soll neben der Finanzierung der Hochbauten vor allem für die Bewirtschaftung sorgen. «Die Auslagerung hat den Vorteil, dass die Immobilien-AG professionell im Bereich der Bauten agiert und schneller auf Veränderungen reagiert.» Die Immobilien-AG soll sämtliche Räumlichkeiten auf dem Areal zentral verwalten. Der Kanton würde trotz der Auslagerung zu 100 Prozent Eigner und auch Garant bleiben. In diesem Bereich habe der Kanton mit der Auslagerung der Spitäler bereits «positive Erfahrungen» gemacht, hält Schwerzmann fest.

Neue Flächen für Start-ups und Unternehmen

Den Investitionen von 333 Millionen Franken stehen Einsparungen bei der Sanierung von bestehenden Gebäuden und dem Verkauf nicht mehr benötigter Liegenschaften gegenüber. Der Buchwert der betroffenen Liegenschaften beträgt 25 Millionen Franken, deren Verkaufswert dürfte bedeutend höher liegen.

Wirtschaftsdirektor Robert Küng sieht im ausgebauten Standort einen weiteren Vorteil, denn auf dem Areal verbleibt eine Fläche von 20000 Quadratmetern. «Diese Fläche steht Unternehmen, Start-ups sowie Forschungsteams zur Verfügung.» Die Regierung unterstützt deshalb die Zentralschweizer Initiative, einen mit den Standorten Zürich und Lausanne vernetzten Innovationspark zu errichten. Küng ist überzeugt, dass auf dem Campus Horw grosses Zukunftspotenzial liegt. «Wo Lehre und Forschung praktiziert werden, siedeln sich auch schnell Firmen an.»

Für die Regierung ist der Faktor Zeit für die Realisierung des Projekts von zentraler Bedeutung. Einerseits, weil der Raum knapp und die bestehenden Gebäude 40 Jahre alt sind. Andererseits, weil in den nächsten Jahren der Standort Zentralschweiz für den Innovationspark definitiv verteilt wird.

Der Horwer Gemeindepräsident Ruedi Burkard ist von den Plänen des Kantons begeistert: «Der Umbau ist ein Jahrhundertprojekt.» Das Ortsbild werde sich stark verändern. Zusammen mit den anderen Bauprojekten ist die Erweiterung des Campus «eine städtebaulich grosse Chance, die es zu nutzen gilt».

Bevor die erste Bauetappe in Angriff genommen wird, stimmt das Volk an der Urne über den Campus Horw ab. Dies ist voraussichtlich 2018 der Fall. Marcel Schwerzmann ist zuversichtlich: «Das Volk wird unsere Pläne stützen und den Bildungsstandort Luzern stärken.»


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