Nachgefragt

«Es lag nicht nur an der Weiche»

03. Februar 2018, 00:00

Weder für die Entgleisung eines Eurocitys in Luzern noch für jene eines ICE in Basel hat die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) bislang eine Ursache gefunden. Die SBB aber glauben, kritische Weichen könnten für die Zwischenfälle mitschuldig sein. Deshalb tauschen sie einzelne Teile aus, um die Sicherheit zu erhöhen. Christoph Kupper von der Sust begrüsst die Massnahme zwar. Aber er glaubt nicht, dass diese der Weisheit letzter Schluss ist.

Christoph Kupper, am 22. März 2017 entgleiste ein Trenitalia-Zug in Luzern. Weshalb, weiss man nicht. Trotzdem gehen die SBB davon aus, es könnte an den Weichen gelegen haben. Was sagen Sie zu dieser These?

Die SBB machen ihre eigene Ereignisanalyse – wenn sie zu Erkenntnissen gelangen und Massnahmen einleiten, ist das begrüssenswert. Wir glauben aber nicht, dass der Zug in Luzern nur wegen der Weichen entgleist ist.

Weshalb?

Bei einem derartigen Unfall spielen immer viele Faktoren mit. Beispielsweise die Interaktion zwischen Schiene und Rad. Dass kritische Weichenteile nun ausgetauscht werden, kann die Sicherheit zwar erhöhen. Aber es braucht noch mehr Abklärungen, um die genaue Unfallursache zu ermitteln.

Was ist besser an den neuen Weichenteilen, den sogenannten Klinkenverschlüssen?

Diese Modelle werden seit gut zwanzig Jahren an Orten eingesetzt, die höheren Belastungen ausgesetzt sind – also dort, wo Züge schneller fahren. Daher sind sie robuster als jene, die in Bahnhöfen verbaut werden. Obwohl auch gesagt sein muss, dass sich die alten Modelle bewährt haben.

Wie ist Ihr Stand der Untersuchungen zu den Entgleisungen in Luzern und Basel?

Im Basler Fall werden wir neue Simulationen anstellen. Dabei wollen wir untersuchen, wie sich die Schienen bei der Entgleisung verhalten haben – also, wie sehr sie nachgegeben haben, wie stark sie gekippt sind. Bis Ende April sollten diese Resultate vorliegen. Damit versuchen wir auch, Rückschlüsse auf die Ursache des Unfalls im Luzerner Bahnhof zu treffen. Wann der finale Bericht vorliegt, ist allerdings weiterhin offen. (kük)


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