Fahren Gäste bald in 21 Gondeln auf die Rigi?

WEGGIS ⋅ Die Rigi Bahnen AG will eine neue Seilbahn nach Rigi Kaltbad bauen. Derzeit plant das Unternehmen zwei unterschiedliche Bauprojekte. Obwohl ein Entscheid noch aussteht, gewinnt eine Variante Oberhand.
05. April 2018, 00:00

Ihren 50. Geburtstag wird sie noch erleben, wenig später ist Schluss: Für die Luftseilbahn von Weggis nach Rigi Kaltbad läuft die Konzession aus. Nun sucht die Rigi Bahnen AG nach einem Ersatz für die Bahn, welche 1968 eröffnet wurde und die Strecke nach Kaltbad in gut zehn Minuten bewältigt. Dass es einen Neubau braucht, ist schon länger klar. Wie dieser aussieht, wurde bisher aber nicht kommuniziert. Noch ist offen, was gebaut werden soll. Die Firma schwankt zwischen zwei Varianten: eine Pendelbahn mit zwei Kabinen, die jeweils 76 Personen fassen, oder eine Bahn mit 21 Gondeln, die pro Kabine Platz für 10 Passagiere bietet.

Nun zeichnet sich ein Entscheid ab: Am Ostersonntag haben die Rigi-Bahnen die Bewohner auf Kaltbad über ihre Pläne aufgeklärt. Einen Entschluss hat die Bergbahn zwar noch nicht präsentiert, doch die Zeichen zeigen in Richtung Gondelbahn. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Geschäftsleitungsmitglied Jörg Lustenberger: «Eine Gondelbahn würde eine grosse Kapazitätssteigerung bedeuten.» Die Pendelbahn mit zwei Kabinen hätte eine Kapazität von 640 Personen pro Stunde. Eine Gondelbahn dagegen könnte im Grundausbau 800 Personen stündlich befördern. Im Endausbau wären es gar 1200 Personen. Dazu kommt gemäss den Verantwortlichen ein weiterer Vorteil: «Bei einer Gondelbahn, die keine grossen Wartezeiten bedingt, können wir die Passagiere viel kontinuierlicher befördern und jedem Gast einen Sitzplatz mit Aussicht bieten», so Lustenberger.

Spruchreif ist wie erwähnt noch nichts. Gemäss Lustenberger ist die Variante Pendelbahn zu 95 Prozent ausgearbeitet. Ende 2018 soll auch klar sein, wie eine Gondelbahn aussehen könnte. «Bis zu diesem Zeitpunkt möchten wir Planungs- und Rechtssicherheit, damit der Verwaltungsrat seine abschliessende Entscheidung treffen kann», so Lustenberger.

Rigi-Bahnen müssen Konzession verlängern

Der Planungsstand für eine Gondelvariante ist gemäss den Rigi- Bahnen bei etwa 50 Prozent angelangt. Ungeklärt sind noch Fragen zum genauen Streckenprofil, zu den Stützen sowie zum Parkierungskonzept bei der Talstation. Die Rigi-Bahnen gehen davon aus, mit dem Bau der neuen Bahn 2019 beginnen zu können – also just in dem Jahr, in welchem die Konzession der alten Bahn abläuft. Deshalb werden die Rigi Bahnen diese verlängern. «Das sollte aber kein grösseres Problem darstellen», sagt Lustenberger. Eine Nachfrage bei der Gemeinde Weggis zeigt, dass auch die Behörde eine Gondelbahn bevorzugen würde: «Wir können die Argumente der Rigi-Bahnen verstehen und nachvollziehen», sagt Gemeindeammann Baptist Lottenbach (FDP), in Weggis zuständig für das Dossier Bau und Infrastruktur. Er sieht bei der Variante Gondelbahn auch Vorteile für das Dorf: «Damit würde Weggis besser an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Eine Gondelbahn ohne fixen Takt-Fahrplan ist sicher eine attraktive Lösung.»

Stellt sich noch eine zentrale Frage: Was kostet die neue Bahn? Jörg Lustenberger rechnet für eine Pendelbahn mit Investitionen zwischen 15 und 20Millionen Franken. Der Preis für den Bau einer Gondelbahn dürfte sich im ähnlichen Rahmen bewegen: «Wenn wir von Anfang an gesehen hätten, dass eine Gondelbahn um einiges teurer wird, hätten wir uns gar nicht erst der Planung angenommen.» Für welches Modell sich der Verwaltungsrat auch entscheidet – bereits 2020 soll die neue Bahn die Talstation zur ersten Fahrt verlassen. Die alte Bahn wäre dann 52 Jahre alt.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch


Anzeige: