Fall Malters: Anwalt des Opfers wartet bis Montag

07. Oktober 2017, 00:00

Polizeieinsatz Der ausserordentliche Aargauer Staatsanwalt Christoph Rüedi, der den Polizeieinsatz von Malters untersucht und Anklage erhoben hat, zieht den Freispruch für die Luzerner Polizeikader nicht an die nächste Instanz weiter. Dies teilte die Staatskanzlei des Kantons Luzern gestern mit. Das Bezirksgericht Kriens sprach den Luzerner Polizeikommandanten Adi Achermann und Kripochef Daniel Bussmann am 27. Juni vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.

Beim Polizeieinsatz im März 2016 beging eine 65-jährige Frau Suizid. Die Luzerner Polizei begab sich zu ihrem Haus, weil der Verdacht bestand, ihr Sohn betreibe eine Hanf-Indoor-Anlage. Die Frau verweigerte den Polizisten den Eintritt. Sie verschanzte sich mit einem Revolver in der Wohnung und drohte, sich um­zubringen. Sie gab zudem einen Schuss in der Wohnung ab und feuerte aus einem Fenster. Die Polizei beobachtete die Situation während 17Stunden. Nach erfolglosen Verhandlungen gab Bussmann, der die Einsatzleitung hatte, den Befehl, die Wohnung zu stürmen. Kommandant Achermann übernahm zuvor die Verantwortung. Beim Zugriff der Polizei tötete sich die Frau selber.

Sohn der Verstorbenen braucht Bedenkzeit

Auch der Sohn der verstorbenen Frau ging damals gegen die Luzerner Polizei vor. Sein Anwalt Oskar Gysler zeigte Achermann wegen fahrlässiger Tötung und Amtsmissbrauch an. Gestern sagte Gysler gegenüber unserer Zeitung, sein Mandant mache sich über das Wochenende Gedanken, ob er das Urteil weiterziehe. Der Entscheid falle am Montag. Dann läuft die Einsprachefrist ab.

Nachdem das Bezirksgericht die Polizisten freigesprochen hatte, meldeten beide Parteien vorerst Berufung an. Nachdem nun das schriftlich begründete Urteil den Parteien zugestellt wurde, verzichtet Staatsanwalt Rüedi auf einen Weiterzug ans Kantonsgericht Luzern. Das Bezirksgericht komme in Abwägung der Handlungsmöglichkeiten sowie der Chancen und Risiken beim Polizeieinsatz zum Schluss, dass sich die Einsatzleitung im Rahmen des ihr zustehenden Handlungsspielraums bewegt habe und kein strafbares Verhalten vorliege.

Kripochef Daniel Bussmann zeigt sich erleichtert

René Merz, Adi Achermanns Anwalt, kommentiert den Verzicht auf eine Berufung auf Anfrage unserer Zeitung so: «Ich rechnete damit, dass der Staatsanwalt das Urteil nicht weiterzieht.» Und Daniel Bussmanns Verteidiger Beat Hess sagt: «Ich kann die Erwägungen des Urteils, die zu einem Freispruch geführt haben, sehr gut nachvollziehen. Mein Mandant ist erleichtert, dass die Staatsanwaltschaft als staatlicher Ankläger das auch so sieht. Ich werte das als klares Zeichen.»

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch


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