In Luzern haben private Anbieter Tradition

11. Oktober 2017, 00:00

Pflege Die in Herrliberg berücksichtigte Senevita AG betreibt an gut zwei Dutzend Standorten in der Schweiz Residenzen und Alterszentren – etwa den 2014 in Ebikon eröffneten «Pilatusblick». Neben Senevita ist unter anderem auch die Tertianum-Gruppe in der Region aktiv. Ihr gehören in der Stadt Luzern die Alters­residenz Bellerive sowie die Pflegewohngruppen für Menschen mit Demenz Sternmatt. «Private Mitbewerber haben bei uns eine lange Tradition», sagt Roger Wicki, Präsident des Luzerner Heimverbandes Curaviva, auf Anfrage. Er schätzt die gewinnorientierten Angebote an Pflegebetten im Kanton auf ungefähr 10 Prozent. Das Nebeneinander von kommunalen und privaten Pflegeangeboten funktioniert in der Einschätzung von ­Wicki auch darum gut, weil sie zum Teil verschiedene Bedürfnisse abdecken.

Neue Pflegefinanzierung sorgte für Dynamik

Für den Präsidenten von Curaviva Luzern ist klar: «Der Trend, gemeindliche Pflegeheime in sogenannt gemeinnützige Aktiengesellschaften zu überführen, wird anhalten.» Bereits gemacht haben dies Gemeinden wie Luzern, Emmen, Hochdorf, Rothenburg, Ruswil oder Schötz. In Kriens und Horw wird der Weg derzeit gerade beschritten. Den Grund für diese Dynamik sieht Wicki vor allem in der neuen Pflegefinanzierung. «Denn nun sind die Institutionen ja verpflichtet, alle Pflegekosten über die Taxen selber zu finanzieren.» Es zeige sich, dass ­Heime als Aktiengesellschaften häufig schneller auf aktuelle Entwicklungen reagieren könnten, weil sie nicht mehr so sehr dem politischen Prozess unterworfen seien. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die Aktiengesellschaften in der Regel zu 100 Prozent in gemeindlichem Besitz verbleiben würden.

Ist die Zeit in Luzern auch reif für weitergehende Privatisierungen nach dem Herrliberger Modell? Roger Wicki ist skeptisch, schliesst es aber nicht aus. «Für Häuser mit einem hohen Sanierungsbedarf könnte die Privatisierung allenfalls ein Weg sein», glaubt er. Denkbar ist für ihn ausserdem, dass sich Institutionen für die Finanzierung der In­frastruktur einen Investor suchen. (cpm)


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