Jeder dritte Deutschschweizer Ministrant feiert in Luzern

KATHOLISCHE KIRCHE ⋅ 8000 Ministranten finden sich am Sonntag auf der Allmend ein. Auch in Zeiten von zunehmend leeren Kirchenbänken: Organisator Pater Andy Givel will bei den jüngsten Kirchendienern von keinem Nachwuchsproblem wissen.
08. September 2017, 00:00

Lange, weisse Roben rauschen im Gleichschritt. Weihrauch wabert durch die Kirchenbänke, an Wänden und Decken funkelt und glänzt es. Es riecht nach verbranntem Kerzenwachs, mächtige Orgelklänge lassen den Brustkorb erzittern. Die katholische Kirchenwelt bespielt sämtliche Sinne – und fasziniert nach wie vor auch junge Leute. 24000 Ministranten dienen in den Pfarreien der Deutschschweiz – rund 3000 davon allein im Kanton Luzern, 6000 in der Zentralschweiz. Diese Zahlen erhob die Katholische Kirche vor drei Jahren.

8000 von ihnen – also rund ein Drittel – treffen sich am Sonntag auf der Allmend zum siebten Minifest. Seit 1999 findet die grösste Ministranten-Veranstaltung der Schweiz alle drei Jahre statt – und nach 2005 schon zum zweiten Mal in Luzern.

Die meisten Teilnehmer sind zwischen 10 und 14 Jahre alt. Pater Andy Givel vom Organisator Deutschschweizerische Arbeitsgruppe für Ministrantinnenpastoral (DAMP) erwartet aber auch einige Teilnehmer über 18: «Die Uni Luzern wird auch anwesend sein, um über kirchliche Studiengänge zu informieren.» Hauptziel des Anlasses ist aber ein anderes. So wolle man damit den Ministranten für ihren grossen Einsatz danken, daneben gehe es aber ums Miteinander. «Die Kirche ist nämlich nicht veraltet und verkrustet. In ihr engagieren sich auch ganz viele junge Menschen.» Es ist denn auch nicht dem Zufall geschuldet, dass die Festlichkeiten mit einem grossen, gemeinsamen Wortgottesdienst eingeläutet werden.

Wo Pfarreien aktiv sind, gibt es genügend Ministranten

Pater Andy Givel, aufgewachsen in Luzern, ist nun für fünf Pfarreien zuständig in und um die sankt-gallische Kleinstadt Gossau. Von Nachwuchsproblemen weiss Givel nichts zu berichten. Im Gegenteil: In seiner Hauptpfarrei St. Andreas gibt es rund 120 Ministranten, allein in diesem Jahr sind 13 neu dazugestossen. Dass aber das Nachrücken von jungen Ministranten überall so reibungslos gelingt, könne so pauschal nicht gesagt werden. Dabei spielen laut Givel regionale Unterschiede sowie Stadt-Land-Gegensätze eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sei die jeweilige Pfarrei: «Dort, wo die Ministrantenarbeit gepflegt wird, ist es nicht schwierig, junge Leute zu begeistern.»

Ministrant kann werden, wer getauft ist und bereits die erste heilige Kommunion erhalten hat. Noch bis 1917 schrieb die Liturgie den Dienst von Ministranten vor. Heute ist ihre Mithilfe für den Gottesdienst nicht mehr zwingend. Das bestätigt Givel. «Trotzdem nehmen Ministranten nach wie vor eine wichtige Funktion wahr.» Meist dem Pfarrer assistierend, würden sie stellvertretend für die Gottesdienstbesucher die Gaben an den Altar bringen. «Ohne Ministranten», ist Pater Givel überzeugt, «fehlt nicht nur dem Gottesdienst etwas, sondern der Kirche ganz allgemein.»

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

«Die Kirche ist nicht veraltet und verkrustet.»

Organisator Ministrantentreffen


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