Kanton nimmt neuen Anlauf

INTEGRATION ⋅ Vor einem Jahr hat die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen das Lehrprogramm «Perspektive Pflege» eingestellt. Grund: Nur 3 der 15 Kursteilnehmer fanden eine Anschlusslösung. Das soll mit dem neuen Projekt nicht mehr passieren.
05. April 2018, 00:00

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Eine Neuauflage nach einem Jahr Unterbruch: Der Kanton Luzern startet 2019 mit dem Projekt «Perspektive Pflege 2.0» erneut einen Anlauf, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene in die Pflegeberufe einzuführen. «Wir versprechen uns aus verschie­denen Gründen mehr Erfolg von diesem Projekt als von seinem Vorgänger. Die Praxisbetriebe sind von Beginn an mit an Bord und Inhalte und Prozesse wurden besser auf die Bedürfnisse der Praxis abgestimmt», sagt Philippe Otzenberger von der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen des Kantons Luzern. Zudem arbeite man nur noch mit einem Vertragspartner zusammen statt zuvor mit zwei bis drei.

Der neue Qualifizierungskurs hat dasselbe Ziel, wie das Projekt, welches 2015 eingeführt und nach zwei Jahren wieder aufgelöst wurde: Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene sollen befähigt werden, nach dem Kurs eine Attestlehre oder eine Lehre als Fachperson Gesundheit zu absolvieren und abschliessen zu können.

Verbände geben Projekt zweite Chance

Vor knapp einem Jahr wurde das Projekt «Perspektive Pflege» beendet. Die Dienststellenleiterin Asyl- und Flüchtlingswesen, Silvia Bolliger, kam im Frühling 2017 zum Schluss, dass das Angebot im Pflegebereich so nicht zielführend sei. Der Kanton war nicht zufrieden, die Erfolgsquote war zu tief. Nur 3 der 15 Teilnehmer hatten nach dem Kurs eine Ausbildungs- oder Praktikumsstelle. Der Rest musste mit dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk eine andere Lösung suchen.

Die beiden involvierten Verbände – der Gesundheitsberufsverbund Xund und der Heimverband Curaviva – zeigten sich im vergangenen Frühling ob der Einstellung des Projekts enttäuscht. Der Präsident von Curaviva Luzern, Roger Wicki, ist nach wie vor der Meinung, dass der Kanton dem Programm damals zu wenig Zeit gegeben habe, sich zu ent­wickeln. Dennoch ist Curaviva Luzern auch beim neuen Kurs «Perspektive Pflege 2.0» wieder mit dabei. Wicki begründet dies wie folgt: «Die Erwartungen waren zu hoch und der Kanton hat nun aus dem damaligen Projekt seine Lehren gezogen. Diese Anpassung sehen wir als Chance, unsere gesellschaftspolitische Verantwortung wahrzunehmen.» Eine Arbeitsgruppe habe wichtige Sachen korrigiert und insbesondere den Zeitplan neu gestaltet. Auch die Verbände konnten ihre Ideen in der Arbeitsgruppe einbringen. «Das Ziel ist es, den Kursteilnehmern nach ihrem Praktikum direkt in der Praxis­institution einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen zu können», sagt Wicki.

Der im kommenden Jahr startende Kurs dauert insgesamt 19 Monate – davon findet während 16 Monaten ein Praktikum in einem Betrieb statt. In den restlichen drei Monaten gibt es Unterricht in Allgemeinbildung, Tastaturschreiben und Pflege. Dabei wird der Sprachunterricht direkt integriert. Die Praktikumsplätze werden durch den Vertragspartner Xund organisiert und sichergestellt. Dieser setzt sich für die Aus- und Weiter­bil­dung von Gesundheitsfachkräften in der Zentralschweiz ein. Auch der Heimverband Curaviva wird in der zweiten Projektauflage mit dem Kanton zusammenarbeiten und Praktikumsplätze zur Verfügung stellen.

Um sich einen Kursplatz zu ergattern, müssen die Teilnehmer Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 sowie eine Eignung für Pflegeberufe mitbringen.

Mit dem neuen Konzept, das eine längere Laufzeit sowie einen neuen Zeitplan beinhaltet, sollen die erkannten Probleme behoben werden. Auch auf finanzieller Ebene unterscheidet sich der neue Kurs von seinem Vorgänger. Die Kosten in der Höhe von 220000 Franken sind rund einen Drittel tiefer als jene des Pilotlehrgangs 2015. Die Teilnehmerzahl hingegen wurde von 15 auf 18 Personen erhöht.

Nur wer sich eignet, startet ins Praktikum

Wicki verspricht sich mit dem aktuellen Projekt deutlich höhere Erfolgschancen: «Das Konzept ist nachhaltig aufgebaut – die Ideen der Beteiligten wurden aufgenommen.» So sieht der neue Lehrgang vor, dass die Teilnehmer nach dem ersten Unterrichtsblock von 50 Tagen ein Eignungspraktikum absolvieren. Werden dort alle notwendigen Voraussetzungen erfüllt, startet der Flüchtling oder vorläufig Aufgenommene in das Praktikumsjahr. In diesem wird während vier Tagen gearbeitet und an einem Tag die Schule besucht.

Auch Adrian Wyss, Projektleiter «Perspektive Pflege 2.0» bei Xund, ist überzeugt, dass die Erfahrungen aus dem Pilot wertvoll waren für das neue Konzept: «Durch die Anpassungen wurde eine bessere Abstimmung auf die betrieblichen Abläufe ermöglicht und die Teilnehmenden können früher in die Pflegeteams integriert werden.» Deshalb leiste Xund auch im neuen Programm gerne einen Beitrag zur beruflichen Integration von Flüchtlingen – auch um mitzuhelfen, dem drohenden Mangel an Pflegefachkräften entgegenzuwirken.

Curaviva-Präsident Wicki fügt an: «Das Programm bietet eine gute Möglichkeit, vermehrt Männer in die Pflege zu bringen. Auch Frauen aus Herkunftsländern ausserhalb Europas können so in die Pflegebranche einsteigen.» Bis jetzt wurde für das Projekt noch keine Mindestlaufzeit definiert, die genauen Rahmenbedingungen sind derzeit noch Gegenstand von Abklärungen.

Präsident Curaviva Luzern


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