Kartoffelernte beschert Mega-Knollen

LANDWIRTSCHAFT ⋅ Während der Ernteertrag der letzten beiden Jahre mager ausgefallen ist, können die Kartoffelbauern heuer aufatmen. Der Ertrag hat sich fast verdoppelt. Viele Knollen sind aber für den Verkauf viel zu gross geworden.
03. November 2017, 00:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

«Die Knollen sind heuer rie­- sig», bilanziert Bauer Markus Schmid (58) aus Kottwil seine Kartoffelernte. Ein einziges Stück kann bis zu einem Kilo wiegen, sagt er und ist selber überrascht über die Grösse der Knollen, die er aus dem Boden holt.

Es ist aber nicht wie bei Kürbissen, wo man besonders stolz ist, ein möglichst schweres und grosses Stück zu präsentieren – im Gegenteil. Schmid, der 2007 von der Viehwirtschaft auf Kartoffelanbau umgesattelt hat, macht ein Beispiel: «Eine Charlotte-Knolle darf zwischen drei und sechs Zentimeter Durch­messer aufweisen und maximal 12 Zentimeter lang sein.» Überschreitet sie diese Masse, kann Markus Schmid sie nicht verkaufen. «Im Handel sind solch grosse Härdöpfu nicht beliebt», sagt der Bauer. Er persönlich sieht jedoch durchaus Vorteile: «Je grösser die Kartoffel, desto weniger Stücke muss man schälen für ein Gratin – das ist doch eigentlich ganz gut.»

Gute Ernte drückt die Preise

Trotz übergrossen Knollen und der damit verbundenen Schwierigkeit, diese zu vermarkten, freut sich Schmid sehr über die gute Ernte. Denn sowohl im Jahr 2016 als auch im 2015 war die Ernte nicht sehr ertragreich. Markus Schmid hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von zirka 180 Tonnen, wie er sagt. Gesamthaft hatte er letztes Jahr auf seinen 10,5 Hektaren rund 200 Tonnen Kartoffeln geerntet. Dieses Jahr wird der Ertrag fast doppelt so hoch ausfallen, wie er sagt.

Obwohl Schmid nicht jammern will, weist er darauf hin, dass die gute Ernte auf die Preise drücke. Lag der Grundpreis 2015 für ein Kilo bei rund 50 Rappen und mehr, beträgt er heuer zwischen 39 und 46 Rappen. «Sechs bis sieben Franken Differenz auf 100 Kilo ist schon massiv.» Die grössten Abnehmer von Schmids Kartoffeln sind neben den Grossverteilern Migros und Landi auch Private.

Vorbereitungen für nächste Saison laufen

Schmid hat inzwischen seine Grimme, so nennt man jene Maschine, welche Kartoffeln aus der Erde zieht und aufs Fliessband befördert, versorgt. Die Ernte ist abgeschlossen. Die letzten Knollen der Sorten Agria, Viktoria und Chips sind nun auch für den Verkauf bereit. Die «Abfall»-Kartoffeln werden in der Scheune gelagert. Diese werden als Futter für das Vieh, insbesondere für Kühe, gebraucht. Aber auch die Familie Schmid hat nichts gegen Mega-Knollen einzuwenden. Schmid: «Bei uns kommt fast täglich ein Kartoffelgericht auf den Tisch.»

Hat der Landwirt nun Zeit zum Ausruhen? «Nein», sagt er. Die Vorbereitungen für die kommende Saison laufen bereits. Das heisst: Es werden unter anderem die Felder wieder bereitgestellt, Samen gekauft und Abnehmerverträge abgeschlossen.

Heinrich Hebeisen, zuständig für Ackerbau und Pflanzenschutz im Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain, weiss, warum die Ernte heuer ertragreich ist: «Die Kartoffeln konnten dieses Jahr bei guten Witterungs- und Bodenbedingungen gepflanzt werden. Bauern würden sagen: Das Wetter war wüchsig.» Insbesondere in der Phase des Knollenwachstums habe das Wetter den Landwirten in die Hände gespielt.

Nicht die ganze Schweiz konnte davon profitieren. In der Ostschweiz war es dieses Jahr zu trocken. Das war in der Innerschweiz weniger das Problem. Dennoch mussten zeitweise Trockenphasen mit Bewässerung überbrückt werden. Das von den Bauern am meisten gefürchtete Szenario blieb dieses Jahr fast aus: die Kraut- und Knollenfäule. 2015 mussten zwischen 30 und 50 Prozent der Knollen aus diesem Grund aussortiert werden.

Kartoffelanbau ist anspruchsvoll

Generell sei der Kartoffelanbau im Gegensatz zum Mais- oder Getreideanbau eine Herausforderung, wie Hebeisen weiss. «Die Bodenbearbeitung, Pflanzgutvorbereitung, Pflanzung, Düngung, die Pflegemassnahmen und die Ernte inklusiv Sortierung sind anspruchsvoll und verlangen während der ganzen Vegetationsperiode immer wieder angepasste Massnahmen.»

Dies ist auch mit ein Grund für den stetigen Rücklauf der Kartoffelanbaufläche in der Schweiz (siehe Kasten). Heinrich Hebeisen: «Kartoffeln sind heute wie Gemüse zu einer Spezialkultur geworden. Sie erfordern eine besondere und teure Mechanisierung.» Zudem sei auch der Konsum in der Schweiz rück­läufig, obwohl die Kartoffeln nach wie vor eines der wichtigsten Nahrungsmittel darstellen.


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