Luzern soll wieder über eine Metro diskutieren

VERKEHR ⋅ Die Fronten beim Parkhaus Musegg sind verhärtet. Davon könnte das Konkurrenzprojekt «Schwanenplatz-Metro» profitieren. Die Bürgerlichen wollen es genauer wissen und fordern vom Stadtrat, eine bisher unveröffentlichte Studie von 2014 offenzulegen.
13. April 2018, 00:00

Wie kann Luzern seine Verkehrsprobleme lösen? Im Fokus stehen seit Jahren zwei Grossprojekte, die von privater Seite initiiert wurden: das Parkhaus Musegg und die Metro Reussegg-Schwanenplatz. 2014 entschied der Luzerner Stadtrat, das Metro-Projekt fallen zu lassen und das Parkhaus Musegg weiterzuverfolgen.

Doch Ende 2016 setzte das Stadtparlament auch diesen Plänen ein Ende. Zwar versuchen die Bürgerlichen mit ihrer Initiative «Aufwertung der Innenstadt» das Musegg-Projekt zu retten. Doch die Erfolgsaussichten sind ungewiss. Deshalb rückt nun das Konkurrenzprojekt Metro wieder in den Fokus. Im vergangenen November gab das Stadtparlament dem Stadtrat den Auftrag, die Metro nochmals zu prüfen. Jetzt legen die Parteien CVP, FDP und SVP mit einem Dringlichen Postulat nach. Sie wollen, dass alle relevanten Fakten zum Metro-Projekt auf den Tisch kommen. Im Visier der drei bürgerlichen Parteien steht insbesondere ein Expertenbericht, den der Stadtrat 2014 erstellen liess. Auf diesen Bericht stützte sich der Stadtrat bei seiner ablehnenden Haltung zur Metro. Der Stadtrat erwähnte damals, die Experten seien zum Schluss gekommen, die Metro sei zu teuer, zu kompliziert und zu wenig umweltfreundlich. Letzteres war vor allem der Tatsache geschuldet, dass das Projekt ein riesiges Parkhaus an der Autobahn mit über 2500 Parkplätzen vorsieht.

Bahnfahrt für Touristen scheint plötzlich zumutbar

Das Postulat der Bürgerlichen fordert eine vollständige Veröffentlichung des Expertenberichts von 2014. «Nur so können wir eine solide Auslegeordnung der beiden Projekte Musegg und Metro mit all ihren Vor- und Nachteilen machen», sagt Fabian Reinhard, Präsident der städtischen FDP. Pikant an der Sache ist, dass der Expertenbericht offenbar zum Schluss kam, die Metro sei nicht tourismusverträglich: Es sei den Touristen kaum zuzumuten, für die Fahrt ins Stadtzentrum auf eine Metro umzusteigen. Die touristische Attraktivität Luzerns würde massive Einbussen erfahren, erklärte der Stadtrat damals. Heute hingegen will die Stadtregierung den Touristen genau dies zumuten: So sollen auf der Allmend neue Carparkplätze entstehen. Zum Schwanenplatz gelangen die Touristen dann per S-Bahn und anschliessend zu Fuss.

Es sei nun entscheidend, dass die Öffentlichkeit die ausführliche Begründung kennt, weshalb der Stadtrat 2014 die Metro ablehnte, sagt Fabian Reinhard. Im Gegensatz zu anderen Fällen, in denen der Stadtrat Studien und Gutachten zurückhielt, will Reinhard der Regierung diesmal aber keine böswillige Absicht unterstellen. «Wir gehen davon aus, dass es im Interesse aller ist, die Fakten zur Metro zu kennen.»

Tatsächlich ist inzwischen auch der Stadtrat von seinem kategorischen Nein zur Metro abgerückt. Ende 2017 gab er eine Studie in Auftrag mit dem Ziel, die Projekte Metro und Parkhaus Musegg nochmals zu vergleichen.

Metro-Initiant: «Wir bleiben dran»

Bei den Parteien waren es ins­besondere SVP und GLP, welche dem Projekt Metro stets die Treue hielten. «Wir haben immer daran geglaubt und sind auch heute noch von einem Metroprojekt überzeugt», sagt GLP-Gross­stadtrat Stefan Sägesser. Letzten Herbst sinnierten die Grünliberalen bereits öffentlich über die Lancierung einer Volksinitiative. Spruchreif ist gemäss Sägesser noch nichts. Er sagt aber: «Wir sind mit den Initianten der Metro im Gespräch.» Das bestätigt Metro-Initiant und Projektleiter Marcel Sigrist. «Wir bleiben dran. Es gibt zurzeit keine andere taugliche Lösung als die Metro.»

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Präsident FDP Stadt Luzern


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