Nach Proteststurm: Beliebter Bauernhof bleibt erhalten

HORW ⋅ Eine Stiftung soll den Grämlishof im Baurecht übernehmen. Damit wird eine Zerstückelung des Betriebs verhindert – und die Bevölkerung kann den Hof weiterhin besuchen. Unklar ist jedoch, ob der bisherige Pächter bleiben darf.
25. November 2017, 00:00

Lange bangten die Horwer um ihren Grämlishof. Nun präsentiert der Gemeinderat eine Lösung, die den Erhalt des gemeindeeigenen, 17 Hektaren grossen Bauernhofs sichern soll. Dieser wird an die Stiftung zur Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe im Baurecht abgegeben. Sie muss während 50 Jahren dafür sorgen, dass ein eigenständiger Betrieb aufrechterhalten wird. Der Hof soll auch weiterhin von Schulklassen und Gruppen besucht werden können, so der Gemeinderat in einem Planungsbericht.

Rückblick: Nachdem das langjährige Pächterehepaar per Ende März 2018 gekündigt hatte, wollte der Gemeinderat das Grämlis-Land auf andere Betriebe auf der Halbinsel aufteilen. Dieser Plan stiess auf massiven Widerstand. Insbesondere wurde befürchtet, dass Stallvisiten und Schulbesuche künftig nicht mehr möglich wären. Selbst zehn frühere Gemeinderäte schalteten sich mittels eines Briefs ein (Ausgabe vom 9. November). Der Quartierverein Felmis reichte eine Petition mit 1052 Unterschriften ein und erwog eine Volksinitiative, dazu wurde im Parlament eine Motion der L20 überwiesen. Diese verlangte, dass der Gemeinderat den Betrieb als Ganzes nochmals prüft. Die Einigung zwischen der Gemeinde und der Stiftung wird nun noch dem Einwohnerrat vorgelegt.

Die Stiftung mit Sitz in Luzern besteht seit rund 30 Jahren. Sie verfolgt den Erhalt und die Förderung bäuerlicher Biobetriebe und ist von sich aus auf die Gemeinde zugegangen. «Das ist ein grosser Glücksfall», sagt der zuständige Gemeinderat Robert Odermatt (SVP). Damit könne man «den Wunsch breiter Bevölkerungskreise erfüllen». Zudem muss die Gemeinde die bestehenden Gebäude nicht selbst sanieren, das übernimmt die Stiftung. Wohnhaus und Stöckli befinden sich in einem schlechten Zustand, es stehen Investitionen von rund 2 Millionen Franken an.

Wann und in welcher Form die Stiftung die Gebäude umbaut, ist offen. «Es besteht noch keine Detailplanung, wir wollen das aber möglichst schnell anpacken», sagt Jakob Vogler, Geschäftsführer der Stiftung. Mit der Übernahme eines Hofs betrete man Neuland. «Vorwiegend unterstützen wir Betriebe mit Beratungen und Darlehen.» Auf die Gemeinde sei man zugegangen, «weil uns der Erhalt und die Weiterführung von Landwirtschaftsbetrieben wichtig sind».

Hof muss rentabel werden – auch dank Direktverkauf

Die Stiftung soll den Hof ab April 2018 übernehmen. Sie wird selbst einen neuen Pächter suchen. «Wir sind uns bewusst, dass dies für die Neuorganisation des Hofes sehr kurzfristig ist», sagt Robert Odermatt. Allenfalls sei eine Übergangslösung nötig. Als Baurechtszins sind jährlich etwas mehr als 20000 Franken vorgesehen. Verschiedene Branchenvertreter bezeichnen den Betrag als angemessen. «Das Ziel ist, dass der Hof rentabel geführt wird. Die Gebäudeinvestitionen können aber über den Pachtzins nicht vollumfänglich auf die Pächter abgewälzt werden», sagt Vogler. Als zusätzliche Einnahmequelle für die Pächter sei etwa Direktvermarktung vorgesehen.

Ungewiss ist die Zukunft des bisherigen Pächterpaars, das den Hof seit 37 Jahren betreibt. Dieses würde gerne weiterhin auf dem Hof im Stöckli wohnen. «Dieser Wunsch wurde im Planungsbericht mit keinem Wort erwähnt. Das überrascht uns sehr», sagt Pächter Josef Heer. Laut Robert Odermatt sei zunächst vorgesehen gewesen, das Stöckli auszuparzellieren und nicht der Stiftung zu übergeben. Damit hätte man diesen Wunsch erfüllen können. «Die Stiftung wollte aber über alle Gebäude verfügen.»

Gemäss Jakob Vogler sei noch nicht entschieden, ob die heutigen Pächter auch künftig auf dem Grämlishof wohnen können. «Wir werden das Gespräch mit ihnen suchen. Es ist uns bei Hofübergaben stets wichtig, eine gute Lösung für die bisherigen Bewirtschafter zu finden.»

Stefan Dähler/Beatrice Vogel

region@luzernerzeitung.ch


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