Polizei rückt immer weniger aus

SPARDRUCK ⋅ Aufgrund von Kürzungen beim kantonalen Budget müssen Luzerner Polizisten ihre Überstunden abbauen. So sollen 1,45 Millionen Franken gespart werden. Für den anstehenden Herbst verheisst das nichts Gutes.
14. September 2017, 00:00

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Freitag, kurz vor 21 Uhr. Peter Meier öffnet seine Balkontür für etwas frische Luft und beobachtet, wie dunkle Gestalten durch den Garten seines Nachbarn schleichen. Als er sieht, dass sie in die Wohnung einbrechen, ruft er die Polizei. Doch da heisst es: «Entschuldigung, wir haben im Moment zu wenig Personal. Wir können nicht ausrücken.»

So absurd dies klingen mag, so real ist es doch. Aufgrund von Sparübungen müssen die Luzerner Polizisten Überstunden abbauen. 1,45 Millionen Franken beträgt der Sparauftrag, das entspricht 28000 Arbeitsstunden – jeder Mitarbeiter muss seinen Saldo um 35 Stunden reduzieren. Der Polizei steht deshalb weniger Personal zur Verfügung. Das führt gezwungenermassen dazu, dass die Polizei nicht mehr in jedem Fall ausrücken kann.

Seit Juli wertet die Luzerner Polizei aus, bei welchen Meldungen sie nicht ausrücken. Die Zahl ist alarmierend: Bei über 500 Meldungen kam es zu keinem Einsatz – das sind um die sieben Meldungen pro Tag. Bei der Hälfte handelt es sich um Anrufe zu Ruhestörung, Strassenverkehr (Meldungen von möglichen Rennen, zu schneller oder unsicherer Fahrweise), verdächtigen Wahrnehmungen und das Vornehmen von Personenkontrollen (siehe Tabelle). Doch auch Diebstahl oder Einbruchdiebstahl stehen mit 20 respektive 16 Meldungen oben auf der Liste. Die Auflistung, die am Dienstag im Zuge einer Vorstossantwort öffentlich wurde, müsse man mit Vorsicht geniessen, schreibt die Regierung. «Die Polizei konnte schon früher nicht alle gemeldeten Begehren» bearbeiten und musste «eine Triage vornehmen».

«Situation ist für alle schwierig»

Doch Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei, bestätigt: «Es bleiben deutlich mehr Fälle liegen.» Für ihn ist die momentane Lage höchst unbefriedigend: «Die Situation ist für alle schwierig. Die Polizei möchte ausrücken, wenn sie gerufen wird, und die Bevölkerung möchte sich sicher fühlen.» Doch man müsse die Kräfte bündeln. Bei einem Unfall, den man selber protokollieren könne, brauche es unter Umständen keine Polizei. Auch im Herbst – der Einbruchsaison schlechthin – könne man das Personal nicht aufstocken. Aber: «Dass eine Polizeipatrouille ausrückt, ist wahrscheinlicher, wenn wir Chancen haben, die Täter noch zu erwischen», sagt Achermann. Wenn man einen Einbruch bemerke, die Täter aber schon weg sind, könne es sein, dass die Patrouille erst am nächsten Morgen am Tatort eintreffe. «Ist keine Person in akuter Gefahr, kann es sein, dass das Anliegen hinten anstehen muss», so Achermann.

Laut Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker ist die aktuelle Situation für alle unbefriedigend. 2018 dürfte es ähnlich weitergehen: Denn die Regierung will die polizeilichen Leistungen im Budget um weitere 1,3 Millionen kürzen. Eine Besserung der Lage sieht Winiker erst ab 2019: «Wir gehen davon aus, dass sich die Lage dann leicht entspannt und eine Erhöhung des Personalbestands wieder möglich ist.» Bis dahin müsse die Luzerner Polizei für ihr Tagesgeschäft mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen auskommen. Winiker stellt aber klar: Wenn es die Sicherheitslage erfordere, würden Überstunden geleistet. Die Bewältigung eines Ereignisses habe Vorrang. «Hier machen wir keine Eingeständnisse. Die Sicherheit hat oberste Priorität.»

www. Die gesamte Liste gibt’s unter: luzernerzeitung.ch/bonus

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