Problem in Grossstädten spitzt sich zu

07. Dezember 2017, 00:00

Fallzahlen Wie viele Menschen schweizweit obdachlos sind, dazu gibt es keine Zahlen. Lediglich einzelne Städte erheben Daten, meist nach eigenen Kriterien. Am zuverlässigsten können deshalb betreuende Institutionen einen allfälligen Anstieg an Obdach­losen einschätzen. Wie etwa der «Pfuusbus» in Zürich, wo in den vergangenen fünf Jahren die Anzahl Beherbergungen um fast 700 auf total 4103 zugenommen hat. Die überwiegende Mehrheit entfällt dabei auf das Winterhalbjahr – über 3600 Übernachtungen.

Die aktuellsten Zahlen aus Zürich deuten darauf hin, dass die Nachfrage weiter steigen wird. Im Vergleich zum Vorjahr haben seit Saisonstart Ende November bereits doppelt so viele Menschen einen der 40 Schlafplätze im «Pfuusbus» genutzt.

Selbst in Zug leben Menschen auf der Strasse

Einen «kontinuierlichen Anstieg» von obdachlosen Menschen verzeichnet auch die Stadt Bern. Laut Silvio Flückiger, Leiter der Interventionsgruppe Pinto, schlafen derzeit 3 Frauen und 18 Männer auf der Strasse ­– obschon die stadtweit 80 Notschlafstellen nicht voll ausgenutzt sind.

Obdachlosigkeit ist nicht alleine ein Problem von Grossstädten, sondern betrifft selbst kleine Städte wie Zug. «Dass bei uns Menschen auf der Strasse leben, konnte ich zuerst selber nicht glauben», sagt Bernhard Tobler. Im letzten Frühling hat der pensionierte Apotheker sich diesem «schwierigen Thema» angenommen und mit der Unterstützung von Gassenarbeiterinnen persönliche Daten von 12 Obdachlosen erfasst. «Die effektive Zahl der Betroffenen dürfte allerdings noch höher liegen.»

Noch gibt es im Kanton Zug nur einige wenige Notbetten, die laut Tobler allerdings selten von Obdachlosen genutzt werden. «Denn entweder ist das Angebot zu wenig bekannt, oder aber die Hürden sind zu hoch.»

Deshalb sucht Bernhard Toblers Verein «Ein Bett für Obdachlose» nach Wohnungen, wo sie Obdachlose längerfristig un­terbringen können. Der erste Mietvertrag für eine 4,5-Zimmer-Wohnung ist bereits unterzeichnet. Vor dem Problem könne man nicht mehr die Augen verschliessen. «Langfristig wird deshalb auch kein Weg an einer Notschlafstelle vorbeiführen», glaubt Tobler. (zar)


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