Schliessung der Polizeiposten ruft Gemeinden auf den Plan

SICHERHEIT ⋅ Am vergangenen Wochenende waren im Kanton Luzern erstmals alle Polizeiposten wegen einer Sparübung geschlossen. Gemeinden kritisieren diesen Entscheid. Denn die Posten erfüllten mehrere Funktionen.
11. Juli 2017, 00:00

Wer am Wochenende einen Polizeiposten im Kanton Luzern aufsuchen wollte, stand vor verschlossenen Türen. Einzig ein Zettel wies darauf hin, dass die Polizeiposten bis auf weiteres am Wochenende geschlossen bleiben – wegen Sparmassnahmen. Unsere Zeitung weiss, dass dies bei vielen Personen für Unmut sorgte.

Die Bevölkerung hat aber die Möglichkeit, dringende und wichtige Anliegen über die Notrufnummer vorzubringen. Davon Gebrauch gemacht haben gut zwei Dutzend Personen, wie Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei, auf Anfrage sagt. Dabei habe es sich um Anliegen gehandelt, die schnell gelöst werden konnten. «Seit wir die Schliessung kommuniziert haben, gehen die Anrufe zurück», so Graf.

Die Sparmassnahme kommt besonders auf der Landschaft nicht gut an – auch weil Gemeindezentren wie Hochdorf, Sursee oder Willisau ein grosses Einzugsgebiet haben. Daniel Rüttimann, CVP-Gemeinderat aus Hochdorf, erachtet die Sparübungen als «eine falsche und letztlich nicht zielführende Massnahme». Zwar zeige sich die aktuelle Situation gegen aussen vergleichsweise friedlich, «doch um gezielt, kurzfristig und nachhaltig zukünftige sicherheitspolitische Herausforderungen angehen zu können», sei es wichtig, eine angemessen ausgerüstete und aufgestellte Polizeitruppe zu besitzen. «Präsenz vor Ort sowie eine ausreichende Anzahl Patrouillen auf dem Land wie auch in der Stadt sind daher aus meiner Sicht auch zukünftig als Schwerpunkt beizubehalten.»

«Präsenz der Polizei wirkt präventiv»

Erna Bieri-Hunkeler, Gemeindepräsidentin von Willisau (FDP), nennt noch einen anderen Aspekt und hofft, dass der Kanton nicht am falschen Ort spart: «Polizeiposten geben der Bevölkerung das Gefühl von Sicherheit, und Sicherheit ist ein Teil der Lebensqualität», sagt Bieri. Es sei zudem wichtig, dass die Polizei vor Ort präsent sei – auch an den Wochenenden. «Wir haben ein grosses Einzugsgebiet, hier findet schon mal hier und da ein Fest statt.» Die Präsenz der Polizei wirke oft präventiv. «Falls irgendwo mal etwas passiert, ist es wichtig zu wissen, dass die Polizei rasch da ist.»

Mit Skepsis beobachtet auch der Verband Schweizerischer Polizeibeamter die neue Praxis. Deren Generalsekretär Max Hofmann sagt: «Sicherheit muss was kosten», und er verweist darauf, dass schweizweit bereits ein Manko an Polizeipersonal herrsche. Mehrere tausend Polizisten würden fehlen. Die Strategie von Rationalisierung und Zentralisierung gehe nicht auf – das habe etwa ein Versuch im Tessin gezeigt: «Der Kontakt mit den Leuten ist wichtig. Dieser geht verloren, wenn die Polizeiposten schliessen», sagt Hofmann. Darum seien die Tessiner Polizeiposten mittlerweile wieder geöffnet worden.

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

«Sicherheit ist ein Teil der Lebensqualität.»

Erna Bieri-Hunkeler

Gemeindepräsidentin, Willisau


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