So setzt Luzern den Inländervorrang durch

ARBEITSMARKT ⋅ Offene Stellen sollen in Branchen mit hoher Arbeitslosigkeit vor allem durch Schweizer besetzt werden. Um Firmen dabei zu unterstützen, schafft der Kanton Luzern eine neue Anlaufstelle. Das Gewerbe ist skeptisch.
10. April 2018, 00:00

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Die Auswirkungen der Masseneinwanderungs-Initiative werden nun auch im Kanton Luzern spürbar. Über vier Jahre nachdem die Schweizer Bevölkerung die SVP-Vorlage mit 50,3 Prozent angenommen hat und sich National- und Ständerat schliesslich auf ­einen Inländervorrang light geeinigt haben, tritt das neue Gesetz per 1. Juli in Kraft.

Ab diesem Zeitpunkt sind Firmen dazu verpflichtet, sämtliche offenen Stellen in Berufsarten, in denen die gesamtschweizerische Arbeitslosenquote 8 Prozent oder mehr beträgt, direkt beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zu melden. Dieser Wert wird ab 2020 auf 5 Prozent gesenkt. Welche Berufe unter den Inländervorrang light fallen, wird derzeit vom Bund eruiert. Betroffen sind wohl Servicepersonal, Reinigungskräfte oder auch Hilfskräfte in der Landwirtschaft. Wird eine Stelle gemeldet, muss das RAV dem Unternehmen innert drei Arbeitstagen melden, ob dafür passende Dossiers vorliegen. Dieses kann selber entscheiden, ob es die Stellensuchenden zu einem Bewerbungsgespräch einlädt, oder nicht.

Laut Schätzungen der Dienststelle Wirtschaft und Arbeit (Wira) des Kantons Luzern werden hier rund 30 Prozent aller neu zu besetzenden Stellen einer Meldepflicht unterstehen. Das entspricht rund 24000 Meldungen pro Jahr. Um die fünf regionalen RAV sowie die Arbeitgeber und die Stellensuchenden bei der Umsetzung der Meldepflicht zu unterstützten, schafft der Kanton eine neue Anlaufstelle mit dem Namen Arbeitsmarktservice. «Damit werden die Meldeverfahren vereinfacht», sagt Karin Lewis, Leiterin Arbeitsmarkt bei der Wira. «Die Arbeitgeber müssen künftig nicht mehr überlegen, welchem der fünf Regionalen Arbeitsvermittlungszentren sie unterstellt sind. Sie haben nur noch einen Ansprechpartner.»

Gewerbe befürchtet administrativen Aufwand

Der neuen Meldepflicht steht das Gewerbe kritisch gegenüber. «Die Befürchtung ist gross, dass trotz des vielen administrativen Aufwandes wenig Wirkung erzielt wird», sagt Gaudenz Zemp, Direktor des Luzerner Gewerbeverbands. «Die Firmen sind mit ihrem Alltagsgeschäft komplett ausgelastet. Es hat niemand freie Ressourcen, um sich mit dieser zusätzlichen Aufgabe zu beschäftigen.» Der FDP-Kantonsrat aus St.Niklausen findet zudem, dass die neue Meldepflicht insbesondere auf Firmen ausgerichtet sei, welche eine spezialisierte Personalabteilung betreiben. «Das durchschnittliche Unternehmen im Kanton Luzern hat aber nur sechs Mitarbeitende und keine Personalabteilung. Wir befürchten, dass diese schnell überfordert sein könnten.»

Dieser Sorgen ist sich Karin Lewis bewusst. Deshalb wolle man nun mit der neuen, zentralisierten Anlaufstelle die Verfahren pragmatisch angehen. «Der administrative Aufwand wird sich kaum vergrössern – auch für das Kleingewerbe nicht», versichert Lewis und betont, dass man die bisherigen Erfahrungen und Kontakte der RAV zum Gewerbe weiterhin nutzen möchte. Der Unsicherheit will der Kanton zusätzlich mit Infoveranstaltungen entgegenwirken. Diese finden in den kommenden Wochen statt. Darüber wurde der Gewerbeverband allerdings nicht informiert, wie Gaudenz Zemp sagt. «Wir haben erst am Freitag von den fest geschaffenen Stellen erfahren. Dieses Vorgehen erstaunt uns sehr. Es wäre wohl sinnvoll gewesen, zuerst die Wirtschaft anzufragen, welche Hilfe ihr am meisten nutzen würde», so Zemp. «Die Anlaufstelle ist sicherlich gut gemeint, aber ob sie die erhoffte Funktion erfüllt, muss sich erst noch weisen.»

Die neue Anlaufstelle wird von Bruno Wespi geleitet. Der 54-Jährige ist derzeit Leiter der Beratungsstelle Jugend und Beruf. Ihm werden vier Mitarbeiter unterstellt, welche sich 3,5 Vollzeitstellen teilen. Finanziert wird die Anlaufstelle vom Bund.

Direktor Luzerner Gewerbeverband


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