Sonnenbarsch bedrängt einheimische Fischarten

19. Juni 2017, 00:00

Fauna Auch wenn die Fische dereinst wieder barrierefrei durch die Luzerner Gewässer schwimmen sollten – nicht alle Arten sind so erwünscht wie die Seeforelle, die ungekrönte Königin unter den einheimischen Fischen. Nicht willkommen in unseren Flüssen und Seen sind die Arten wie Hundsfisch, Goldfisch, Blaubandbärbling, Gefleckter Tolstolob oder – etwas schlichter – Sonnenbarsch und Katzenwels. «Seit rund acht Jahren haben wir den Sonnenbarsch im Rotsee. Zuerst waren es nur wenige, mittlerweile schätzen wir, dass er sich auf über 1000 Exemplare vermehrt hat», sagt Rotseewärter Hugo Burkard, der auch die Fischereipatente ausgibt. Kürzlich wurde im Rotsee auch zum ersten Mal ein Schwarzbarsch gefangen. Dieser grosse Vertreter der Gattung Sonnenbarsch stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist wegen seiner Beissfreudigkeit ein beliebter Fisch für Angler. Der Verdacht, dass er bewusst eingesetzt wurde, ist nicht von der Hand zu weisen. Immerhin können diese Tiere bis 70 Zentimeter gross werden, die meisten messen zwischen 30 bis 40 Zentimeter.

«Wir sind froh, haben wir nicht den Wels im Rotsee»

«Die Anwesenheit des Schwarzbarschs wie auch des Sonnenbarschs haben eine unerwünschte Veränderung der Fauna zur Folge. Sie konkurrenzieren die einheimischen Fischarten», sagt der kantonale Fischereiaufseher Thomas Küng. So sei der zwischen 15 und 30 Zentimeter grosse Sonnenbarsch zwar wunderschön anzusehen, verhalte sich aber äusserst aggressiv gegenüber anderen Fischen im selben Lebensraum. Er verdränge den einheimischen Gründling, der in Uferregionen zu Hause ist.

Die Auswirkungen fremder Arten sind nicht nur im Rotsee schwer bestimmbar. Sie werden auch nicht aktiv bekämpft. Allerdings sind keine Schonzeiten oder Schonmasse festgelegt. Wenn gefangen, dürfen die Tiere nicht zurückgesetzt werden. Für Hugo Burkard ist das Problem mit den invasiven Arten im Rotsee derzeit überschaubar. «Wir haben keine Chance, gegen diese Fische vorzugehen, und müssen mit der Situation leben. Wir sind schon froh, haben wir nicht den Wels im See.» Dieser Fisch, der ausgewachsen eine Grösse von über zwei Meter erreichen kann, ist in anderen Gewässern – vermutlich bewusst als Beutefisch für Angler – eingesetzt worden, was verboten ist. Im Sempachersee sowie im Vierwaldstättersee ist er vor über zehn Jahren zum ersten Mal aufgetaucht, wie Berufsfischer Thomas Hofer aus Oberkirch sagt. Der Fisch hat sich mittlerweile um ein Vielfaches vermehrt, was sich auf das Ökosystem auswirken könnte: «Es besteht immer auch die Gefahr, dass mit fremden Tieren Krankheiten eingeschleppt werden», sagt Hofer. Für Berufsfischer sei der Wels uninteressant. «Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass sie mit dem Einsetzen von artfremden Fischen in den Gewässern grossen Schaden anrichten.» (rgr)


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