SP will Mittagspausen an den Schulen verkürzen

STADT LUZERN ⋅ Familie und Beruf sollen sich besser vereinbaren lassen. Das fordern sowohl die SP als auch die Grünliberalen in separat eingereichten Vorstössen. Die Lösungsansätze der beiden Parteien sind allerdings unterschiedlich.
29. November 2017, 00:00

Gleich zwei Motionen, die auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf abzielen, wurden gestern bei der Stadt Luzern eingereicht. Die eine, verfasst von SP und Juso, verlangt, dass der Stadtrat die Unterrichtszeiten der Volksschule evaluiert und ein Pilotprojekt mit verkürzter Mittagspause durchführt. Die andere, verfasst von den Grünliberalen (GLP), fordert «im Einklang mit der Schweizer Wirtschaft die zügige Einführung von Tagesschulen in der Stadt Luzern».

Ginge es nach der SP und den Juso, könnte die Mittagspause in Volksschulen künftig nur noch 45 bis 60 Minuten statt wie heute rund 90 Minuten dauern. «Der heutige Tagesrhythmus der Gesellschaft ist mehr und mehr auf kurze Mittagszeiten ausgerichtet. In vielen Familien sind Vater und Mutter erwerbstätig, die gemeinsame Mahlzeit findet nicht am Mittag, sondern am Abend statt», so die Argumentation der Fraktion, die zugleich einen weiteren Vorteil in verkürzten Mittagspausen sieht: Um zusätzliche Schulangebote wie Instrumental- oder Religionsunterricht nutzen zu können, wären die Kinder dank des früheren Unterrichtsendes zeitlich flexibler. Dies insbesondere mit Blick auf die seit diesem Schuljahr höhere Anzahl Lektionen pro Woche, welche der Lehrplan 21 mit sich gebracht hat (siehe Kasten).

Partei zeigt sich offen über Ausgang der Evaluation

Ein Novum wäre die kurze Mittagspause in der Schweiz nicht: Laut der Fraktion ist ein solches Zeitmodell bereits an Tagesschulen im Tessin und in einzelnen Gemeinden der Romandie und der Deutschschweiz üblich. «In Zürich zum Beispiel gibt es bereits flächendeckend Tagesschulen mit einer solchen Tagesstruktur», sagt SP-Grossstadträtin Luzia Vetterli auf Anfrage. «Wir wollen deshalb, dass der Stadtrat verschiedene Zeitmodelle evaluiert und schaut, ob das Bedürfnis nach kürzeren Mittagspausen auch hier besteht.» Den Ausgang der Evaluation will die Fraktion nicht vorwegnehmen: «Wenn sich herausstellt, dass die Verkürzung nicht sinnvoll ist, ist es für uns auch okay.»

Wie aber kommt der Vorschlag bei Eltern in Luzern an? Aufschluss darüber gibt eine Einschätzung von Martina Amato aus Oberkirch, die sich bei der Elternlobby Schweiz engagiert: «Ich persönlich finde, der Vorstoss geht in eine fragwürdige Richtung. Die Mittagspause in Schulen ist schon jetzt nicht allzu lang. Mit dem Lehrplan 21 haben die Kinder teilweise zudem mehr Lektionen als früher. Für das Kind würde ein kürzerer Mittag nur noch mehr Stress bedeuten. In meinen Augen wäre das Anliegen ausserdem kaum umsetzbar, da die meisten Kinder zum Mittagessen auch heute noch nach Hause gehen – und teils lange Schulwege haben.» Anders sieht das Luzia Vetterli: «Die Kinder wären nicht mehr gestresst, denn sie hätten am Nachmittag mehr Zeit und könnten ihre Freizeit­aktivitäten besser koordinieren.»

Als problematisch betrachtet das Begehren jedoch auch Annamarie Bürkli, Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands. «Die Kinder hätten nur sehr wenig Zeit, um sich vom Vormittag zu erholen. Bei der Idee scheint es ausserdem nicht darum zu gehen, mehr Freizeit zu gewinnen, sondern darum, noch mehr Aktivitäten unter einen Hut zu bringen.» Ob sich ein Pilotversuch lohnen würde, solle aber der Grosse Stadtrat entscheiden.

Wie bereits erwähnt, fordert die GLP wiederum, dass der Stadtrat prüft, wie in Luzern das Tagesschulmodell eingeführt werden könnte. Die Partei bemängelt, dass in der deutschen und der französischen Schweiz lediglich etwa 40 Gemeinden über eine Tagesschule verfügen. Auch die GLP wirft einen Blick nach Zürich: So könne das dortige Pilotprojekt «Tagesschule 2025» als Anregung dienen. Eine Teilnahme daran war freiwillig, am Prinzip der Freiwilligkeit soll auch hier nicht gerüttelt werden.

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch


Anzeige: