Strassenlärm: Kanton Luzern steht mit Sanierungen kurz vor dem Ziel

UMWELT ⋅ Zum Schutz der Bevölkerung müssen die Kantone bis Ende März 2018 ihre Lärmschutzmassnahmen umgesetzt haben. Zürich zum Beispiel wird das nicht schaffen. Anders sieht es in der Zentralschweiz aus.
07. August 2017, 00:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Autos, Lastwagen, Busse und Motorräder – der Strassenverkehr ist die grösste Lärmquelle in der Schweiz. Das erstaunt kaum, nimmt doch das Verkehrsaufkommen von Jahr zu Jahr zu.

Mehr Verkehr bedeutet auch mehr Lärm: Gemäss Bundesamt für Umwelt sind aktuell 1,6 Millionen Schweizer tagsüber von schädlichem oder lästigem Lärm betroffen, also jeder Fünfte. In der Nacht ist jeder Sechste, also rund 1,4 Millionen Menschen, betroffen. Schädlich ist der Strassenlärm, wenn er in einem Wohnquartier im Durchschnitt über ein Jahr gemessen den Grenzwert von 60 Dezibel (tagsüber) respektive 50 Dezibel (nachts) überschreitet. Etwa 85 Prozent der lärmgeplagten Schweizer leben in einer Stadt oder Agglomeration.

Sanierungsfrist läuft ab, Subventionsbeiträge bleiben

Die massgebenden Grenzwerte sind in der Lärmschutz-Verordnung des Bundes festgehalten. Der Bundesrat hat am 1. Januar 1985 den Kantonen den Auftrag gegeben, bei den Kantonsstrassen die erforderlichen Sanierungen und Schallschutzmassnahmen durchzuführen. Diese Frist läuft Ende März 2018 ab. Auf diesen Termin sollten ursprünglich auch die Subventionen vom Bund an die Kantone eingestellt werden. Aufgrund einer Motion des Tessiner Ständerats Filippo Lombardi (CVP) werden die Bundesgelder jetzt aber bis 2022 weiter ausgeschüttet. An der Frist ändert sich aber nichts – offenbar ein Problem für die Kantone. Denn: Gemäss einem kürzlich ausgestrahlten «10 vor 10»-Beitrag hinken die meisten Kantone mit den Sanierungen der Kantonsstrassen hintennach. Im Kanton Zürich beispielsweise sind bis dato erst rund 60 Prozent der Sanierungen realisiert (siehe Kasten).

Anders gestaltet sich die Situation hingegen im Kanton Luzern, wie eine Anfrage unserer Zeitung zeigt. Dieser musste bis auf ein paar wenige Kantonsstrassen alle sanieren. Zum jetzigen Zeitpunkt sind nahezu 90 Prozent der Lärmsanierungen schon umgesetzt. Konkret: Von insgesamt 113 Sanierungsprojekten wurden schon 90 realisiert, gut 15 befinden sich in der Umsetzung, 5 stehen vor der Auflage, und 3 werden derzeit noch vorbereitet. Knapp 4 Kilometer Lärmschutzwände wurden erstellt und 14000 Schallschutzfenster eingebaut.

Warum kann sich der Kanton Luzern im Gegensatz zu anderen Kantonen an den vom Bund vorgegebenen Fahrplan halten? Paloma Meier, Sprecherin des kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements: «Die Lärmsanierung für die Kantonsstrassen wurde und wird vom Kanton mit hoher Priorität angegangen.» Sie geht demzufolge auch davon aus, dass Luzern das vom Bund gesetzte Ziel erreichen kann. Aufgrund des budgetlosen Zustandes können allerdings derzeit keine neuen Verträge zum Einbau von Schallschutzfenstern abgeschlossen werden. «Das wird das Ergebnis jedoch nicht beeinflussen», sagt sie. Grund: Der Einbau von Schallschutzfenstern gilt im umweltrechtlichen Sinn nicht als Lärmsanierungsmassnahme, da diese den Lärm bei offenem Fenster nicht eindämmen können. Der Kanton Luzern erhält vom Bund für die Sanierungen einen Beitrag zwischen 15 und 25 Prozent. In der aktuellen Periode (2016 bis 2018) beläuft sich dieser auf 4 Millionen Franken. Im gleichen Zeitraum verfügt der Bund insgesamt über rund 100 Millionen Franken, die er an die Kantone vergibt.

19 Milliarden Entschädigung für Hauseigentümer

Schaffen es Kantone nicht, die Strassen innert der vorgegebenen Frist zu sanieren, können lärmgeplagte Hausbesitzer eine Entschädigung einfordern. Verzögerte Sanierungen könnten den Bund, die Kantone oder die Gemeinden – je nachdem, wem die Strasse gehört – teuer zu stehen kommen: Das Bundesamt für Umwelt schätzte den Entschädigungsbetrag vor vier Jahren auf 19 Milliarden Franken. Im Kanton Luzern rechnet man aufgrund des fortgeschrittenen Bearbeitungsstandes nicht mit Klagen und demnach auch nicht mit Entschädigungszahlungen, so Meier.

Verschiedene Massnahmen wie etwa lärmarme Strassenbeläge, Lärmschutzwände oder Temporeduktionen können den Strassenlärm dämpfen. Bei der Wahl der Massnahme sei es wichtig, direkt an der Lärmquelle anzusetzen. «Normalerweise sind Massnahmen an der Quelle günstiger als solche im Ausbreitungsbereich», sagt Meier. Bei der Prüfung der Massnahmen spielten aber nicht nur die Kosten eine Rolle, sondern auch rechtliche, politische und gesellschaftliche Aspekte. Sie nennt ein Beispiel: «Lärmschutzwände sind immer auch ein Eingriff in die Umgebung. Deshalb bedarf es einer guten Eingliederung von solchen Wänden und ihrer Ausgestaltung.» Ist die Massnahme an der Quelle nicht realisierbar, wird geprüft, ob der Lärm an der Ausbreitung gehindert werden kann. Die beste Wirkung erzielen Lärmschutzwände.

Ein Beispiel: Bei den im Gebiet Chotten (Sursee, Oberkirch und Mauensee) realisierten Lärmschutzwänden konnten die Lärmimmissionen bei den exponiertesten Gebäuden zwischen 6 und 11 Dezibel gesenkt werden. Konkret: Im Erdgeschoss eines Wohnhauses konnte der Dezibel-Pegel von tagsüber 67 auf 56Dezibel reduziert werden. Gemäss Lärmschutz-Verordnung müssen auch nach den Sanierungen die Lärmimmissionen periodisch überprüft werden.


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