Tourismus-Quote fällt durch

STADT LUZERN ⋅ Die stetige Zunahme der Gäste sorgt für Diskussionsstoff: Nun bringen die Grünen Maximalwerte und staatlich gesteuerte Preise ins Spiel. Nicht nur bei Luzern Tourismus kommen solche Ideen schlecht an.
28. November 2017, 00:00

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Mehr als 30000 Tagestouristen werden im Jahr 2030 täglich die Stadt Luzern besuchen – und damit doppelt so viele wie 2009. Das zeigt eine Prognose der Hochschule für Wirtschaft in Luzern. Sie rechnet im selben Zeitraum auch bei den Logiernächten mit einer deutlichen Zunahme von einer Million auf 1,6 Millionen. Jürg Stettler, Dozent an der Hochschule Luzern, erklärt den Hintergrund der Prognose: «Global rechnet man bis 2030 mit doppelt so vielen Auslandreisen wie 2009. Die Reisetätigkeit von asiatischen Gästen wird wohl gar um 150 Prozent zunehmen.» Dieses Szenario komme – ohne den Einsatz von Steuerungsmassnahmen – auch auf Luzern zu.

Die Prognose löst bei den Grünen Unbehagen aus: Gestern haben sie eine Motion eingereicht. «Wir fordern, dass der Stadtrat einen Planungsbericht für den Luzerner Tourismus bis 2030 ausarbeitet. Das Thema beschäftigt die Leute; eine Diskussion mit der Bevölkerung und weiteren wichtigen Akteuren ist darum unumgänglich» sagt Korintha Bärtsch, Fraktionschefin der Grünen Luzern. Die Partei fordert den Stadtrat auf, die künftige Entwicklung des Tourismus zu durchdenken und sich entsprechend darauf vorzubereiten: «Wir möchten nicht, dass die Stimmung kippt, wie dies in anderen Städten der Fall ist. Deshalb ist es uns ein Anliegen, dass die Be­völkerung mitreden kann», so Bärtsch. Sie nimmt dabei Be­zug auf Ausschreitungen und Demonstrationen in anderen Ländern: So haben beispielsweise in Barcelona und auf Mallorca zahlreiche Einheimische gegen den Massentourismus protestiert.

Tourismus-Direktor ist gegen Verbote

Konkret will die Partei über Maximalwerte sowie Preissteuerungen und eine räumliche Anpassung diskutieren. «Es wäre eine Möglichkeit, Hotelkapazitäten festzulegen oder die Preise nach Saison oder Tageszeit anzupassen. Denn bereits jetzt wird insbesondere die rechte Seeseite –Altstadt, Grendel, Löwendenkmal – intensiv von Touristen besucht», erklärt Bärtsch. Parallel zum Planungsbericht soll der Stadtrat auch die Carparkierung genauer anschauen und notwendige Anpassungen erarbeiten.

Von den Plänen der Grünen hält Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus, wenig: «Begrenzungen und Verbote gehen in Richtung Planwirtschaft. Eine solche Entwicklung ist nicht zielführend.» Vielmehr möchte man mit anderen Ansätzen – Digitalisierung, Lenkung der Besucherströme – den Tourismus optimieren. Dabei ist laut Perren auch der Zuspruch der Bevölkerung unerlässlich: «Eine gute Entwicklung des Tourismus ist nur möglich, wenn ein Grossteil der Luzerner unsere Bestrebungen unterstützt. Wir haben dazu eine Arbeitsgruppe initiiert, die sich mit einer optimalen Ausgestaltung des Tourismus in Luzern auseinandersetzt.»

Planung erwünscht – Einschränkung nicht

Der Ausarbeitung eines Planungsberichtes, so wie ihn die Grünen fordern, stehen die meisten Parteien offen gegenüber. So auch die SVP: «Es spricht nichts gegen eine Tourismusplanung. Wir stören uns jedoch an der ablehnenden Haltung und der Abschottungspolitik der Grünen – sie sehen Touristen als Bedrohung», sagt Marcel Lingg, Fraktionschef der SVP. Er wünsche sich mehr Offenheit gegenüber den Gästen. Auch CVP-Fraktionschefin Mirjam Fries erachtet den Tourismus als «wichtig für die Stadt Luzern». Mit Blick auf die Motion verweist sie auf kritische Punkte: «Die Forderung nach Maximalwerten und anderen Begrenzungen können wir so nicht unterstützen. Dennoch ist es wichtig, über kommende Entwicklungen zu diskutieren – vor allem im Zusammenhang mit der Akzeptanz des Tourismus bei der Bevölkerung.»

Ähnlich sieht die Stellungnahme der SP aus: Fraktionschef Nico van der Heiden begrüsst die Diskussion, wertet die tourismuskritische Haltung der Grünen jedoch als problematisch: «Für die SP ist eine Einschränkung des Tourismus kein Thema. Denn sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich können wir nicht hinter solchen Begrenzungen stehen.»

Für FDP-Fraktionschefin Sonja Döbeli wiederum ist klar: «Die Motion mit der Forderung einer staatlichen Steuerung eines Wirtschaftszweigs widerspricht den Grundwerten der FDP. Trotzdem muss die Stadt schauen, dass ein Nebeneinander von Tourismus und Bevölkerung möglich bleibt.» Dass die Diskussion starten soll, unterstützt auch GLP-Fraktionschef Jules Gut: «Es ist wichtig, sich gemeinsam mit der Bevölkerung Gedanken über mögliche Lösungswege zu machen. Strikte Beschränkungen sind aber nicht im Sinne unserer Partei.»


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