Unwetterkarte zeigt die Gefahrenzonen

LUZERN ⋅ Wenn Flüsse über die Ufer treten, entwickeln sie oft ungeheure Zerstörungskraft. Grossen Schaden verursacht aber auch oberflächig abfliessendes Regenwasser. Einzig im Kanton Luzern ist klar, wo diese Gefahr besonders gross ist.
12. Juli 2017, 00:00

Muss man in diesem Gebiet mit Murgängen rechnen? Ist jener Gebäudekomplex von Erdrutschen bedroht? Liegt das Objekt in einer exponierten Lawinen­lage? Und wie gefährdet ist ein Quartier durch Überschwemmungen? Antworten auf all diese Fragen liefert die detaillierte kantonale Gefahrenkarte. Sie zeigt allerdings nicht auf, welche Wege sich Regenwasser bei heftigen Niederschlägen bahnt, bevor es in ein Gewässer mündet. Bis 2016 waren diese Informationen nirgends zu finden. Seither bietet der Kanton Luzern eine sogenannte Oberflächenabflusskarte an, der Öffentlichkeit im Internet frei zugänglich (www.geo.lu.ch/map/oberflaechenabfluss). Damit ist Luzern allen anderen Kantonen einen Schritt voraus.

Die Wichtigkeit einer solchen Karte hat das tragische Unglück in Dierikon vor zwei Jahren verdeutlicht. Damals überraschte und tötete eine Sturzflut zwei Personen, die sich während eines Gewitters in einem Keller aufhielten. Oberflächig abfliessendes Regenwasser ist aber nicht nur eine Gefahr für Menschen, sondern verursacht auch grossen Sachschaden. «Es ist für etwa die Hälfte sämtlicher durch Wasser verursachten Unwetterkosten verantwortlich», erklärt Markus Wigger, Leiter Elementarschadenprävention bei der Gebäudeversicherung Luzern. Dies hätten Auswertungen von Unwetter­ereignissen in den letzten Jahren in der Schweiz gezeigt.

Ob Behörden, Planer, Ingenieure, Versicherungen oder Eigentümer; sie alle können nun online nachschauen, inwiefern ein bestimmtes Gebäude von solchen oberflächigen Wasserabflüssen gefährdet ist – und entsprechende Massnahmen treffen. Rechtlich verbindlich sei die neue Gefahrenkarte nicht, präzisiert Wigger. «Sie hat lediglich Hinweischarakter, erzielt jedoch ­einen sehr grossen Nutzen und erleichtert die Prävention erheblich.» So unberechenbar auch künftig heftige Regengüsse bleiben, schon relativ einfache bau­liche Massnahmen können schlimmste Schäden durch Oberflächenwasser verhindern. «Gerade bei Erschliessung von neuen Baugebieten zeigt diese Gefahrenkarte, von woher das Wasser kommt und wohin Abflusskorridore angelegt werden können.»

Die konkrete Gefährdung hat man mit dem Computer modelliert anhand des Geländereliefs, der Terrainoberfläche und eines Niederschlagsereignisses, das so etwa alle hundert Jahre einmal eintrifft. Während die Hauptflussbewegungen an Siedlungsrändern und im Landwirtschaftsgebiet zuverlässig abgebildet sind, sind die Resultate in Siedlungszentren mit Vorsicht zu interpretieren und vor Ort zu überprüfen.

Die vom Kanton angefertigte Oberflächenabflusskarte ist die erste ihrer Art – schweizweit. Bis 2018 werden auch alle anderen Kantone ähnliche Karten publizieren.

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch


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