Vierwaldstättersee wird vorsorglich abgesenkt

SCHNEESCHMELZE ⋅ Der Rekordschnee in den Bergen weckt Erinnerungen an den Hochwasserfrühling 1999. Die derzeit hohen Temperaturen führen noch nicht zu einer Entschärfung der Situation. Deshalb sorgen die Behörden vor.
09. April 2018, 00:00

Frühlingsgefühle in den Städten, Winter in den Bergen. Noch immer liegen enorme Schneemassen, mehr als 2 Meter sind es ab 2000 Metern über Meer. Das weckt Erinnerungen an den Frühling 1999, als weite Teile unseres Landes überschwemmt wurden. Doch Albert Dillier, Projektleiter bei der Abteilung Naturgefahren der kantonalen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, bleibt ruhig: «Die Lage ist zurzeit nicht kritisch.» Das sonnige und warme Wetter dieser Tage komme sehr gelegen. In den Bergen schmilzt der Schnee, grössere Regenfälle bleiben aus. «Somit bleiben die Wassermengen gering», sagt Dillier.

Dennoch sorgen die Behörden vor, für den Fall, dass in den nächsten Wochen stärkere Regenfälle einsetzen. «Wir senken den Pegelstand des Vierwaldstättersees so weit wie möglich ab», erklärt Dillier. Derzeit liegt der Pegel bei 433,44 Metern über Meer. Das ist etwas tiefer als normal und gut ein Meter unter der Schadensgrenze. «Dank seiner grossen Fläche kann der See also noch sehr viel Wasser aufnehmen, bevor es gefährlich wird», erklärt Dillier. Derzeit fliessen aus dem Vierwaldstättersee rund 90 Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Reuss hinunter. Das entspricht in etwa dem normalen Abfluss zu dieser Jahreszeit.

Die Seeregulierung erfolgt exakt nach Vorschrift

Albert Dillier betont, dass der Kanton den See nicht beliebig absenken kann. Die Seeregulierung hat dem Wehrreglement zu entsprechen, an welchem nebst dem Kanton Luzern auch die Uferkantone Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden beteiligt sind. Der Wasserstand darf nicht zu tief sein, damit die Laichplätze der Fische, beispielsweise des Hechts, nicht gefährdet werden. Sollte der Pegelstand des Vierwaldstättersees bedrohlich steigen, können bis zu 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgelassen werden.

Neben dem Vierwaldstättersee und der Reuss hat die Schneeschmelze im Kanton Luzern einzig noch einen Einfluss auf die Kleine Emme. Die Situation sei auch dort unproblematisch, so Dillier. Pro Sekunde fliessen zwischen 20 und 30 Kubikmeter Wasser die Kleine Emme hinunter. Sie könnte aber die zehnfache Menge aufnehmen, ohne Schäden anzurichten.

Zur Gefahr wird die Schneeschmelze erst in Kombination mit tagelangem Starkregen. Ein solches Szenario ist im Moment nicht in Sicht. Bund und Kantone werden die Situation aber weiterhin genau im Auge behalten, sagt Michele Oberhänsli, Hydrologin beim Bundesamt für Umwelt: «Die Schneedecke muss sich erwärmen und durchfeuchten, damit das Wasser überhaupt abfliessen kann. Ein mögliches Hochwasserpotenzial besteht somit in diesem Frühling weiter.»

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch


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