Von Los Angeles über Gisikon nach Lissabon

EUROVISION ⋅ Corinne und Stefan Gfeller, besser bekannt als Zibbz, vertreten die Schweiz am Eurovision Song Contest in Lissabon. Das Geschwisterpaar stammt aus dem Freiamt, lebt heute aber in Gisikon. Dort ist man stolz auf die berühmten Neuzuzüger.
06. Februar 2018, 00:00

Corinne Gfeller strahlt in die Kamera: blonde Haare, braune Augen, breites Lächeln. Es ist Sonntagabend, gerade hat sie zusammen mit ihrem Bruder Stefan, genannt Stee, den Song «Stones» performt. Live im Schweizer Fernsehen. An der Vorausscheidung für den Eurovision Song Contest.

Zu diesem Zeitpunkt wissen weder Corinne noch Stee, was ihnen gerade gelungen ist. Später am Abend haben sie Gewissheit: Eine siebenköpfige Jury und das Publikum an den heimischen Bildschirmen kürt Zibbz zum Sieger der Vorausscheidung. Das Geschwisterpaar vertritt die Schweiz am Eurovision Song Contest Anfang Mai in Lissabon.

Unsere Zeitung erreicht die Sieger tags darauf im Auto. Stee fährt, Corinne telefoniert. Der Kalender ist voll, ein Termin jagt den anderen. Schlaf gab es in der letzten Nacht wenig. «Nur ein paar Stunden», sagt Corinne Gfeller und lacht, bevor sie weiter sagt: «Wir können immer noch nicht richtig glauben, was passiert ist.» Riesig sei die Freude gewesen, als sie das Resultat gesehen hätten. Aber realisieren könnten sie es eben wohl erst dann, wenn sie zur Ruhe kämen. Zu Hause. Aufgewachsen im Freiämter Boswil, leben Corinne und Stee heute in Gisikon. Der Familie wegen zog es sie nach Luzern: «Unsere Schwester lebt in Emmen, wo sie einen Reitstall betreibt. Deshalb waren wir schon früher immer wieder in der Region», so Corinne.

Das Labor in Übersee

Obwohl sich das Basislager von Zibbz in Gisikon befindet, verbringen die beiden etwa die Hälfte des Jahres in Übersee. Das Geschwisterpaar lebt und arbeitet in Los Angeles. Für sie sei dies ihr Labor, wie Corinne erklärt: «In L.A. schreiben wir unsere Lieder, nehmen unsere Alben auf.» Auf dem Jugendsender Joiz hatte die Band ihre eigene Sendung, in der sie ihren Alltag in den USA dokumentierten, den Weg zum Durchbruch festhalten wollten.

Wenn Amerika für die Geschwister das Labor ist, so sei die Schweiz ihre Bühne. Und auf hiesigen Bühnen waren die Zwei in den letzten Jahren einige Male zu sehen. Zum Beispiel zusammen mit Bastian Baker oder an der Seite von Gölä: Corinne sang, Stee sass am Schlagzeug.

Weil sie ursprünglich aus Boswil stammen, sehen sich die beiden weiterhin als Aargauer. «Aber eben, weil wir auch eine Verbindung nach Luzern haben, sind wir auch ein bisschen Lozärner», meint Corinne. Wenn sie in Amerika gefragt würden, was man sich in der Schweiz ansehen solle, dann empfehle sie immer einen Besuch in Luzern.

Bald geht’s also für Zibbz nach Lissabon: Welche Chancen rechnen sich die Gisiker aufs Weiterkommen, vielleicht gar auf den Sieg aus? Corinne Gfeller will sich nicht auf die Äste wagen. «Das ist sehr schwer zu sagen und hängt natürlich sehr von der Konkurrenz ab.» Als ihre Stärke bezeichnet Corinne Gfeller die innovative Art ihrer Musik und die Bühnenerfahrung. Derweil sagt Stee zwischen zwei Kurven in die Freisprechanlage: «Es gab ja auch schon Schweizer, die weit gekommen sind.»

Wie weit die Reise für Zibbz geht, will auch der Gisiker Gemeindepräsident Alois Muri nicht vorhersagen. «Wir haben uns jedenfalls sehr gefreut, als wir erfuhren, dass die beiden an den Eurovision Song Contest können», so Muri. Und sollte am Ende tatsächlich Switzerland die meisten Punkte haben, wird das in Gisikon gefeiert. Alois Muri: «Dann machen wir ganz sicher ein Riesenfest.»

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch


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