Wie sich Bauern unter die Arme greifen

LANDWIRTSCHAFT ⋅ Die Maschinenring-Zentrale bietet eine Plattform, auf der Landwirte ihre Leistungen austauschen können. Anders als der Namen vermuten lässt, geht es dabei längst nicht mehr nur um die Vermittlung von Maschinen.
16. Mai 2017, 00:00

Sebastian Hofer

sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch

Die Landwirtschaft befindet sich im Wandel. Besonders die sinkenden Produktpreise zwingen die Landwirte, ihre Produktionskosten zu senken und neue Einkommensquellen zu erschliessen. Im Kanton Luzern bietet die Maschinenring-Zentrale (MRZ) eine Möglichkeit, genau das zu tun.

In der MRZ bündeln fünf Luzerner Maschinenringe (Malters, Napf, Michelsamt, Entlebuch und Seetal) ihre Kräfte. Diese beabsichtigen, durch eine Fusion bis im Sommer 2018 den Maschinenring Luzern zu gründen. Die Grundidee bestehe darin, im Sinne einer Effizienzsteigerung die Arbeitsressourcen im ländlichen Raum zu optimieren, sagt Josef Erni, Geschäftsführer der MRZ. Kerngeschäft der Organisation sei das Vermitteln von Personal in der Landwirtschaft und auch im Gewerbe durch die Firma Agriwork GmbH, die den Luzerner Maschinenringen gehört. Oft würden dadurch Unfall- und WK-Kosten oder Ferien kompensiert. «Wir bieten eine Plattform, auf der Landwirte ihre Leistungen von Bauer zu Bauer austauschen können. Davon profitieren auch die Angestellten.» Das Aushelfen in verschiedenen Betrieben diene nämlich als gutes Zusatzeinkommen und verhelfe dem Arbeiter zu mehr Arbeitserfahrung.

Maschinen sollen ­gemeinsam genutzt werden

Die MRZ vermittelt aber eben auch Landwirtschaftsmaschinen – und dies schon seit manchem Jahr. Vom Traktor bis zum Mähdrescher: Im Angebotskatalog, der jährlich von der Maschinenring-Zentrale erstellt wird, werden alle Maschinen aufgelistet, die angeboten werden. «Statt dass der Landwirt eine teure Maschine kaufen muss, kann er diese über die MRZ bei anderen Bauern oder bei einem Lohnunternehmer beziehen. Damit lassen sich die Effizienz steigern und die Produktionskosten senken», sagt Josef Erni. Auch Bauern ohne Mitgliedschaft könnten die verschiedenen Angebote nutzen, sie müssten aber etwas mehr dafür bezahlen.

Laut Erni zählt der Maschinenring Schweiz als nationaler Dachverband mittlerweile 5500 Mitgliederbetriebe, im Kanton Luzern sind es rund 500 – Tendenz steigend. Trotzdem sind aber immer noch verhältnismässig wenige Betriebe in einem Maschinenring aktiv. Laut Bundesamt für Statistik gab es 2015 landesweit 53232 Bauernhöfe. Rund 10 Prozent der Schweizer Bauernhöfe sind also Mitglied in einem Maschinenring. Ähnlich verhält es sich in Luzern mit total rund 4700 Betrieben.

Einer, der das Angebot der MRZ regelmässig nutzt, ist Josef Bircher-Burri, Präsident Bio Luzern, der seit 1991 Mitglied ist. «In dieser Zeit eröffnete mir die Mitgliedschaft im Maschinenring viele Möglichkeiten und Chancen zur Optimierung unseres Betriebes.» Wichtig für ihn sei besonders der Angebotskatalog, in dem er immer wieder Dienstleistungen und Maschinen anbiete. «Wir verrichten unter anderem Mäharbeiten, Hofladerarbeiten und bieten einen Abholservice von Grüngut an.» Auch den Betriebshelferdienst der MRZ hat Josef Bircher bereits genutzt. «Die Mitgliedschaft im Betriebshelferpool ermöglicht uns, einen Betriebshelfer zu einem reduzierten Tagespreis einzustellen. Damit konnten wir immer wieder Absenzen kompensieren.» Das Potenzial für die Senkung der Maschinenkosten sei allgemein sehr gross. «Neben der Anschaffung der Maschine kommen noch die Arbeitsstunden eines Mitarbeiters für den Unterhalt der Maschine dazu. Es wird schnell klar, dass weniger Maschinen, dafür gut ausgelastete sehr gut für die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes sind.» Das bestätigt auch Fabian Brühwiler, Geschäftsführer des Maschinenrings Schweiz: «Es gibt Betriebe, die es schaffen, bis zu 50 Prozent der Maschinenkosten zu sparen.» Dafür müsse der Betrieb aber voll auf die Nutzung des Maschinenrings ausgerichtet sein. «Der Mitgliederbeitrag beträgt jährlich je nach Maschinenring 50 bis 100 Franken.» Gemäss einer Statistik der Agro-Treuhand Sursee vom Jahr 2015 belaufen sich die jährlichen Kosten für Maschinen und Zugkräfte auf 1500 Franken pro Hektare landwirtschaftlicher Nutzfläche.

«Nachfrage hat sich verdreifacht»

Ein ähnliches Angebot wie die MRZ bietet Thomas Estermann. Mit seinem Lohnunternehmen hat auch er sich auf die Vermittlung von Arbeitskräften und Maschinen spezialisiert. Seine Firma ist auf das Ausführen landwirtschaftlicher Arbeiten für Landwirte der Region ausgerichtet. «Wenn ein Landwirt 5 Hektaren Land zu bewirtschaften hat, lohnt es sich oft nicht, eine grosse, teure Maschine zu kaufen. Es ist viel rentabler, jemanden temporär einzustellen», sagt Estermann. So würden viele Unterhaltskosten wegfallen. Estermann ist sich sicher: «Ohne solche Angebote könnten die Bauern heutzutage nicht existieren.» In den letzten zwanzig Jahren habe sich die Nachfrage verdreifacht.


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