Jacht mit 15 Tonnen Haschisch gestoppt

MADRID ⋅ Spanien ist Europas Einfallstor für Haschisch, das übers Mittelmeer aus Nord- afrika geschmuggelt wird. Jetzt gelang ein dicker Fang.
16. September 2016, 00:00

Sie segelten mit ihrer Jacht vor der Mittelmeerküste Spaniens und tarnten sich als Touristen. Doch die Küstenwacht durchschaute das Spiel, griff vor der südspanischen Küste in Höhe der Hafenstadt Cartagena zu und wurde fündig. Die spanischen Beamten, die mit einem Schnellboot das Segelschiff stoppten, fanden unter Deck insgesamt fast 15 Tonnen Haschisch. Die beiden Schmuggler, ein Holländer und ein Bulgare, wurden festgenommen.

Es war der grösste Haschischfund seit langem. Die heisse Ware sollte offenbar von Marokko, einem der wichtigsten Cannabis-Anbaugebiete weltweit, nach Spanien geschmuggelt werden. «Das war der bedeutendste Drogenfund im Mittelmeer in diesem Jahr», freute sich Spaniens Grenzschutz. Die Iberische Halbinsel gilt wegen ihrer Nähe zu Nordafrika als das Einfallstor für Haschisch. Rund zwei Drittel aller Cannabis-Ladungen in Europa werden in Spanien sichergestellt.

Polizei erhielt einen Tipp

Im aktuellen Fall waren die spanischen Fahnder den Schmugglern schon einige Zeit auf der Spur. Die Antidrogenpolizei hatte einen Tipp bekommen, dass in diesen Tagen eine Drogenjacht auf dem Mittelmeer unterwegs sein könnte. Tagelang hielt die Küstenwacht Ausschau nach verdächtigen Wasserfahrzeugen. Sie wurde bei der Suche von Patrouillenschiffen und -flugzeugen der europäischen Frontex-Mission Indalo unterstützt.

Flugzeug entdeckte das Schiff

Die europäische Indalo-Mission, an der Spanien, Portugal und Italien teilnehmen, hat eigentlich den Auftrag, die illegale Einwanderung übers Mittelmeer Richtung Spanien zu bekämpfen. Ein italienisches Frontex-Flugzeug war es denn auch, das die verdächtige Segeljacht, die wegen der schweren Ladung tief im Wasser lag, entdeckte und die spanischen Kollegen alarmierte.

Es ist übrigens nicht der erste Drogenfund, der im Zuge der internationalen Überwachungsmission gemacht wurde. Allein im Laufe des Jahres 2016 beschlagnahmten die an Indalo beteiligten Einheiten bereits 38 Tonnen Haschisch. Im Vordergrund der Mission steht freilich die Kontrolle der Flüchtlingsströme übers westliche Mittelmeer.

Die europäische Überwachungsmission soll im Prinzip illegale Einwanderer davon abschrecken, mit Schiffen von Marokko und Algerien übers Meer zu kommen. Sie soll zugleich gegen Menschenschleuser vorgehen. Im Zuge der Indalo-Mission wurden seit Jahresbeginn mehr als 2200 schiffbrüchige Flüchtlinge gerettet.

Spaniens Antidrogenbehörde schätzt, dass höchstens jeder fünfte Haschischtransport übers Mittelmeer entdeckt wird. Die Fahnder beschlagnahmen jedes Jahr annähernd 300 Tonnen Haschisch. Ein Vielfaches dieser Drogenmenge kommt demnach ungehindert nach Spanien – und wird dann auf dem Landweg über ganz Europa verteilt.

Ralph Schulze, Madrid


Leserkommentare

Anzeige: