Kommentar

0:3 für die SPD

15. Mai 2017, 00:00

Die SPD geht mit einer gewaltigen Hypothek in die Bundestagswahlen im September. Abermals hat die Partei gegen die CDU das Nachsehen, nach Niederlagen im Saarland und in Schleswig-Holstein nun auch gestern in der Herzkammer der Sozialdemokratie, in Nordrhein-Westfalen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wurde abgewählt. Der Merkel-treue Kandidat der CDU, Armin Laschet, triumphiert.

Es war eine Landtagswahl, dominiert haben regionale Themen. Doch auch die Bundes-SPD um ihren Kanzlerkandidaten Martin Schulz trägt eine Mitverantwortung dafür, dass die Genossen in den letzten Monaten an Strahlkraft eingebüsst haben.

Schulz, selbst aus NRW, stösst eine Gerechtigkeitsdebatte an, bleibt aber zur Finanzierung bis heute vage. Das verärgert manche Wähler. Die Strategie von Kanzlerin Merkel ist dagegen aufgegangen: Den anfänglichen Schulz-Hype hat sie cool ausgesessen. Die meisten Deutschen sehen in ihr eine erprobte Krisenmanagerin, die auch einem Donald Trump Paroli bietet. Hinzu kommt eine deutsche Wirtschaft, die wie geschmiert läuft. Und die Flüchtlingsproblematik steht nicht mehr im Fokus. Merkels Gegner fehlen Angriffspunkte.

Schulz verweist gerne auf seine schwierige Biografie und erzählt von seiner Vergangenheit als knallharter Fussballer. Um beim Bild zu bleiben: Aus Sicht der SPD steht es kurz vor Schluss 0:3 gegen seinen Widersacher. Merkel spielt auf internationalem Parkett Champions League, Schulz tingelt durch die Dörfer der Republik. Er muss sich etwas einfallen lassen, will er die Bundestagswahlen nicht schon jetzt verloren geben.

Christoph Reichmuth, Berlin

christoph.reichmuth@luzernerzeitung.ch


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