Kommentar

Das Wallis ist nicht die USA

20. März 2017, 00:00

Die Sensation ist perfekt: Oskar Freysinger wurde gestern vom politisch unerfahrenen Migros-Kadermann Frédéric Favre aus der Walliser Regierung geworfen. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Zeiten von moralisierender Politik glücklicherweise auch im katholischen Wallis vorbei sind: CVP-Mann Christophe Darbellay, der ein uneheliches Kind hat, erzielte ein Glanzresultat.

Die von Freysinger gegeisselte Elite identifizierte sich nie mit seinem unorthodoxen Politverständnis, weder in Bern noch im Wallis. Er konnte sich jedoch stets darauf berufen, die Bevölkerung hinter sich zu haben. Umso schmerzhafter ist für den SVP-Zampano nun, dass das Wahlvolk an seiner Stelle einen Nobody bevorzugt.

Zum Verhängnis wurde ihm eine Mischung aus zweifelhafter Amtsführung, hemmungsfreiem Umgang mit Extremisten aller Couleur und einem Wahlkampf, der ans Strickmuster von US-Präsident Donald Trump erinnerte. Freysinger fühlte sich gar geschmeichelt, mit dem Mann vom Weissen Haus verglichen zu werden. Doch das Wallis ist nicht die USA. Und die Restschweiz dürfte mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen, dass bei uns aufwieglerische Populisten zumindest bei Exekutivwahlen gebremst werden.

Antonio Fumagalli

schweiz@luzernerzeitung.ch


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