Kommentar

Die Zeit ist reif

21. März 2017, 00:00

Wäre ein Bewohner von Emmen, Kriens, Cham oder Rotkreuz vor zehn Jahren ins Koma gefallen und nun wieder aufgewacht – er könnte Mühe bekunden, seine Wohngemeinde wiederzuer­kennen. In immer mehr Quartieren entstehen Siedlungen mit städtischem Charakter. Deshalb sollen nun in Emmen und Kriens den Taten Worte folgen. Es sind Bestrebungen im Gang, von der «Gemeinde» zur «Stadt» zu werden. Eigentlich ist dieser Schritt überfällig – nicht nur wegen der Bautätigkeit, sondern auch wegen der Einwohnerzahl und der fortschreitenden Urbanisierung.

In der Vergangenheit hatte das Vorhaben in Emmen, in Kriens oder in Cham jedoch keine Chance. Sehen sich die Bewohner der Agglomerationsgemeinden inzwischen mehr als Städter denn als Dörfler? Im Alltag ist der Wandel in Emmen oder Kriens jedenfalls noch nicht angekommen. Wer sagt, er gehe in die Stadt, meint damit Luzern. Der «Emmer Stapi» oder der «Krienser Stadtrat»? Das klingt noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Doch Dörfer sind diese Gemeinden schon längst keine mehr. Das hat auch mit der Entwicklung der Bevölkerungsstruktur zu tun. Die neuen Überbauungen ziehen vermehrt Leute mit städtischer Orientierung an. Kommt hinzu, dass der Schritt zur Stadt nach dem Nein zur Fusion mit Luzern nur konsequent wäre. Ein eigenständiges Gemeinwesen mit rund 30000 Einwohnern sollte den Anspruch haben, selbst Zentrumsfunktion zu übernehmen, statt sich nur am grossen Nachbarn zu orientieren. Wenn der Wechsel zur Stadt tatsächlich vollzogen würde, müsste er deshalb mehr sein als ein symbolischer Schritt.

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch


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