Kommentar

Es liegt nicht nur am Preis

29. November 2016, 00:00

Ist das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht? Wir sind die (zweit-)grössten Kaffeetrinker der Welt. Und wir zahlen den höchsten Preis dafür.

Punkt eins: Wer sich den «Warenkorb» anschaut, der uns über Teuerung und Kaufkraft aufklärt, stellen wir fest, dass der Café creme aus der Reihe tanzt. Produkte mit Abonnement auf Preissteigerung sind heute eher die Ausnahme. Punkt zwei: Wir trinken überall teuren Kaffee, weil wir ihn uns leisten können. Oder wenigstens die meisten von uns. Denn die Hochpreisinsel produziert auch Löhne, mit denen man sich etwas leisten kann.

Unter dem Strich ist es also ein gutes Zeichen, wenn sich viele von uns viel und teuren Kaffee leisten können. Doch das Aber folgt auf dem Fuss: Auch wenn uns die Restaurateure und Cafetiers gerne und mit Recht vorrechnen, was ein Café creme für Kosten verursacht, bis er dampfend vor uns steht, ist die Schmerzgrenze allmählich erreicht. Mit dem Kaffeepreis ist der Strukturwandel in der Branche jedenfalls nicht aufzuhalten. Zudem: Wenn unser aller Lieblingsgetränk preismässig nach oben schon keine Grenzen zu kennen scheint, wäre es dringend nötig, dass die Qualität erstklassig ist. Bei allen Fortschritten ist das, was uns als Kaffee vorgesetzt wird, zu häufig bloss braun und heiss, aber nicht ein Kaffee, der diesen Namen verdient.

Es ist deshalb beim Kaffee ein bisschen so wie beim Bier: Wenn uns der Mainstream zu langweilig und zu teuer wird, weichen wir aus. Zum Beispiel auf lokale Kaffeeröster, die für gutes Geld gute Ware anbieten. Wer will, kann die durchschnittlich 4.23 Franken für den Café creme anders einsetzen.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: