Kommentar

Fahrlässiger Rentenausbau

17. März 2017, 00:00

Mit dem knappestmöglichen Resultat hat der Nationalrat gestern der ständerätlichen Variante der Rentenreform zugestimmt. Von einem breit abgestützten Kompromiss kann keine Rede sein. Mitte-links hat den AHV-Ausbaudurch- gepaukt. Der tiefere Mindest- umwandlungssatz in der zweiten Säule soll für die betroffenen Neurentner nicht nur voll kompensiert, sondern mit einem Zustupf teuer erkauft werden. Bei der AHV drohen damit trotz höherer Beiträge ab 2029 Milliardendefizite.

Das letzte Wort hat nun wohl das Volk, welches erst vor einem halben Jahr einen Ausbau der AHV mit der Giesskanne klar verwarf. An der Urne droht er­neut der Absturz. Die Rentner etwa werden sich fragen, warum sie dem Fiskus mehr abliefern sollen, aber nichts erhalten. Die Jungen sollen den grössten Teil der Zeche für eine Reform be­zahlen, mit der die Altersvor­sorge bald wieder in Schieflage gerät. Linke wollen diese trotz des AHV-Ausbaus bekämpfen.

Gewiss, bei der Altersvorsorge besteht wegen der Demografie Handlungsbedarf. Aber der vom Parlament beschlossene Rentenausbau ist unverantwortlich. In der Politik gibt es immer Alternativen. Nach einem Nein des Stimmvolks wäre es rasch möglich, einen abgespeckten Plan B auszuarbeiten.

Tobias Gafafer

schweiz@luzernerzeitung.ch


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