Neue Städte am Stadtrand

AGGLOMERATION ⋅ In der Zentralschweiz gibt es rund ein Dutzend Städte – doch nur wenige nennen sich so. Nun suchen gleich drei Luzerner Gemeinden eine neue urbane Identität.

21. März 2017, 00:00

Stefan Dähler

Wann ist eine Stadt eine Stadt? In Emmen und Kriens kommt diese Frage erneut aufs Tapet. Die CVP Emmen fordert, dass sich die Gemeinde künftig als Stadt bezeichnet. Auch eine neue «Stadt Kriens» könnte es schon bald geben – der Gemeinderat plant eine entsprechende Änderung der Gemeindeordnung. Die Zeit dafür sei reif, findet der Krienser Gemeindepräsident Cyrill Wiget (Grüne), auch wenn die Bevölkerung 2007 das Ansinnen klar abgelehnt hatte. «Damals wollten sich viele Leute wegen der im Raum stehenden Fusion mit der Stadt Luzern von der Stadt abgrenzen», sagt Wiget. «Die Fusion ist nun vom Tisch, daher sind diese Ängste jetzt weg.» Heute wäre der Name «Stadt Kriens» gerade Ausdruck von Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein, glaubt Wiget. Dem pflichtet der Krienser SVP-Fraktionschef Räto Camenisch bei: «Wir haben die Eigenständigkeit gegenüber der Stadt Luzern gewahrt, daher wäre das nun ein logischer Schritt.»

Klar ist: Die «Stadt-Kriterien» des Bundes haben sowohl Emmen als auch Kriens längst erfüllt: Sie haben deutlich über 10000 Einwohner und sind urban geprägt. Die Marke übertreffen auch Horw und Ebikon, ebenso wie Baar, Cham oder Risch. Während das Thema im Kanton Zug wenig Konjunktur hat, nahm der Gemeinderat von Ebikon das Thema kürzlich auf – er will die «Stadt-Frage» eventuell längerfristig weiterverfolgen.

«Ein Merkmal einer Stadt sind öffentliche Räume als Begegnungsorte», sagt Barbara Emmenegger, Stadtforscherin an der Hochschule Luzern. Mit anderen Worten: Eine richtige Stadt bietet für ihre Bewohner genügend Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten vor Ort. Reto Lindegger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands, sagt zudem: «Die Entscheidung, sich Stadt zu nennen, hat mehr symbolische Bedeutung und erfolgt aus Tradition oder aufgrund der aktuellen Entwicklung einer Gemeinde.»

Kommentar 6. Spalte21


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