Petry steigt aus dem Ring

DEUTSCHLAND ⋅ Mit dem Verzicht der AfD-Chefin auf eine Spitzenkandidatur werden die Karten im Bundestagswahlkampf neu gemischt. In der AfD geht der Machtkampf weiter.
20. April 2017, 00:00

Damit hat die Parteivorsitzende der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, wenige Tage vor dem Bundesparteitag in Köln selbst Parteikollegen überrascht: In einer Videobotschaft stellte sie gestern «eindeutig» klar, ihrer Partei «weder für eine alleinige Spitzenkandidatur noch für eine Beteiligung in einem Spitzenteam» zur Verfügung zu stehen.

Grund für ihre Entscheidung seien die anhaltenden innerparteilichen Streitigkeiten. «So ist das Aussenbild der AfD immer wieder durch die unabgestimmte – also für die Parteiführung völlig überraschende – maximale Provokation weniger Repräsentanten geprägt», kritisierte Petry.

In der AfD tobt seit Monaten ein Machtkampf zwischen dem fundamentaloppositionellen Lager um AfD-Parteivize Alexander Gauland und dem realpolitischen Flügel, dem Petry zugerechnet wird. In ihrer Ansprache appellierte Petry erneut an die Partei, bei dem am Samstag beginnenden Kölner Parteitag eine Grundsatzentscheidung über die Positionierung der AfD zu treffen.

Petrys Verzicht befeuert Gerüchte über Spaltung

Die AfD hatte in Umfragen zuletzt massiv an Wählerzuspruch verloren. Ob es ihr gelingen wird, Wähler der bürgerlichen Mitte zu mobilisieren, wird stark vom ­Entscheid über die Spitzenkan­didatur, der am Parteitag am Wochenende fallen soll, abhängen. Neben dem Rechtsnationalen Gauland ist dafür auch die als wirtschaftsliberal geltende Ökonomin Alice Weidel im Gespräch.

Ein Ende der innerpartei­lichen Zerstrittenheit ist damit aber nicht in Sicht. Erst vergangene Woche hatte der Petry-loyale Chef der rheinland-pfälzischen AfD-Fraktion, Uwe Junge, gegenüber dem «Stern» Gerüchte über eine anstehende Spaltung der AfD genährt. Es wäre die zweite Spaltung in der kurzen Partei­geschichte der AfD. Eine dritte könnte den bislang als sicher geltenden Einzug der AfD in den Bundestag gefährden. (isd)

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