Kommentar

Quote ist der falsche Weg

24. November 2016, 00:00

Mit der Revision des Aktienrechts hat der Bundesrat gestern eine Mammutvorlage verabschiedet. Für Zündstoff sorgt die Frauenquote für die Spitzen grosser Firmen, die Justizministerin Simonetta Sommaruga in die Vorlage gepackt hat. Die Schweiz hat diesbezüglich Nachholbedarf, der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der hundert grössten Firmen stagniert bei mageren 6 Prozent. Dabei sorgen Frauen für eine gute Durchmischung – auch in der Chefetage. Dass SP-Magistratin Sommaruga die Debatte angestossen hat, ist nachvollziehbar. Die geplante sanfte Quote allein würde der Standort verkraften. Doch für Sommaruga, die gewiefte Politikerin, ist dies nur ein erster Schritt. Schon bei der Kontrolle der Lohngleichheit setzte sie auf eine Salamitaktik. Eine Erklärpflicht für Firmen würde den Druck für weitere politische Massnahmen erhöhen. Der Eingriff in die Personalpolitik von Firmen wird im Parlament deshalb zu Recht einen schweren Stand haben. Zumal eine starre Quote primär dazu führen dürfte, dass gewisse Funktionen, die oft von Frauen besetzt sind, pro forma in die Geschäftsleitung verschoben würden. Effizienter wäre es, wenn die Politik Tagesschulen einführen würde. Die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Schweiz ist für viele Frauen ein Karrierenachteil. Vor allem aber sollte der Bund mit gutem Beispiel vorangehen, statt mit dem Finger auf die Privatwirtschaft zu zeigen. Der Frauenanteil im obersten Kader lag in der Verwaltung 2015 im Schnitt bei rund 19 Prozent. Ein respektabler Wert zwar, aber immer noch weit von einer Frauenquote von 30 Prozent entfernt, wie sie für Verwaltungsräte gelten soll.

Tobias Gafafer

schweiz@luzernerzeitung.ch


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