Schatten über der Wahl

FRANKREICH ⋅ Der Terroranschlag auf Polizisten in Paris wenige Tage vor dem Start zur Präsidentschaftswahl heizt das Rennen um den höchsten Posten im Land weiter an.
22. April 2017, 00:00

Kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl erschüttert ein Anschlag auf Polizisten das Land. Ein Polizist und der Angreifer werden in Paris getötet, drei Menschen verletzt. Die Attacke facht heftigen Streit um die französische Sicherheitspolitik an.

Der Mann eröffnete gegen 21 Uhr mit einer Schnellfeuerwaffe das Feuer auf ein Polizeiauto auf den Champs-Elysées. Er tötete einen Beamten und verletzte zwei weitere, einen davon schwer. Eine deutsche Passantin wurde am Fuss verletzt. Auf ­ dem bei Touristen beliebten Prachtboulevard brach Panik aus. ­ Der Angreifer, ein vorbestrafter 39-jähriger Franzose namens Karim Cheurfi, wurde schliesslich erschossen. In seinem Auto fanden Ermittler eine Pumpgun und zwei grosse Messer.

Als radikaler Islamist war Cheurfi bislang nicht aufgefallen. Er war aber 2005 wegen mehr­fachen versuchten Mordes – unter anderem an einem Polizisten und an einem Polizeischüler – zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Vor zwei Monaten wurde er erneut festgenommen, weil er Polizistenmorde geplant haben soll. Aus Mangel an Beweisen kam er allerdings wieder frei.

Wahlkampf beginnt am Sonntag

Der Anschlag drei Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl erschütterte Frankreich schwer und löste eine heftige politische Debatte aus. Die rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen warf den Regierungen der vergangenen zehn Jahre vor, «alles getan» zu haben, um den «Krieg» gegen den Terrorismus zu verlieren. Der sozialistische Premierminister Bernard Cazeneuve entgegnete, Marine Le Pen nutze «die Angst und die Aufregung schamlos für rein politische Zwecke» aus.

Die Attacke schürte auch Sorgen vor weiteren Angriffen während der Wahl. Mehr als 50000 Polizisten und Tausende Soldaten sollen die erste Wahlrunde am Sonntag sichern.

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