Vom Bauern zum Heiligen

BRUDER KLAUS ⋅ Der morgige 21. März ist in seiner Biografie ein besonderer Tag. Zum Feiertag hat’s dennoch nicht gereicht.
20. März 2017, 00:00

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Niklaus von Flüe (1417–1487) galt für viele Menschen bereits zu Lebzeiten als Heiliger und wurde oft um Rat gebeten. Dennoch musste erst das Jahr 1947 anbrechen, bis er die höchste katholische Ehrung bekam, indem ihn Papst Pius XII. heiligsprach.

Eigentlich würde sich der 21. März, der Sterbetag des Gottgeweihten, als idealer Gedenktag eignen. Nur: Dieses Datum ist in der katholischen Agenda bereits besetzt. Es gehört Benedikt von Nursia, Gründer des gleichnamigen Ordens.

Als Feiertag für Bruder Klaus wurde deshalb ein anderes Datum, nämlich der 25. September, ausgerufen. Dieser hat vor allem im Kanton Obwalden bis heute eine besondere Bedeutung. Doch auch der morgige 21. März bleibt wichtig: in der reformierten Kirche etwa, wo er als Gedenktag gilt. Hier wird er – obwohl diese Überlieferung nicht bewiesen ist – auch als Tag der Geburt von Bruder Klaus gefeiert. Einig sind sich die Historiker, dass sich der Geburtstag von Niklaus von Flüe im aktuellen Jahr zum 600. Mal jährt.

Zu diesem Jubiläum blicken wir in der heutigen Ausgabe unserer Zeitung zurück auf die Geschichte eines erfolgreichen Obwaldner Bauern und Politikers, der loszog, sich selbst und Gott zu finden. Niklaus von Flüe legte im Alter von 50 Jahren seine politischen Ämter nieder, verliess Frau und Kinder, wanderte gegen Basel und liess sich schliesslich in Flüeli-Ranft nieder.

Weder reformiert noch katholisch

Bruder Klaus selbst war weder Katholik noch Reformierter, gehörte auch keiner politischen Partei an. Seine Gottesverehrung nährte sich aus einer urtümlichen Mystik. Erst später wurde er religiös und politisch gedeutet, vereinnahmt, gar missbraucht.

Dabei mahnte der Obwaldner Schriftsteller Heinrich Federer schon vor 100 Jahren: «Der Bruder Klaus ist viel zu gross, um nur Obwaldner zu sein. Er ist zu gross sogar für einen Eidgenossen. Er gehört der ganzen Welt.»

Seiten 16 und 17

«Bruder Klaus gehört der ganzen Welt.»

Heinrich Federer (1866–1928)

Obwaldner Schriftsteller


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