Kommentar

Abwiegeln reicht nicht

09. Februar 2018, 00:00

Die Subventionsaffäre bei der Post weitet sich aus.Nach­-dem bekannt wurde, dass die Tochtergesellschaft Postauto Schweiz rund 80 Millionen Franken Subventionen zu viel erhalten hat, schieben die Zuständigen einander die Verantwortung zu. Konzernleiterin Susanne Ruoff will nichts bemerkt haben, auch die PostPräsidenten nicht. Flugs liess Ruoff Postauto-Chef Daniel Landolf und dessen Finanzchef freistellen in der Hoffnung, die öffentliche Diskussion damit rasch zu beenden. Doch Landolf beteuert in internen Dokumenten, die Angelegenheit sei seit 2013 mehrmals auf Konzernebene diskutiert worden.

Noch ist es schwierig einzuschätzen, was die Post-Chefin genau wusste. Doch ist sie in Erklärungsnot geraten. Selbst wenn Ruoff über die mutmasslich illegalen Tricksereien bei Postauto nicht im Bild war, so musste sie doch über deren Ursache Bescheid wissen: Die Post-Tochter ist zur Innovation gehalten, darf aber keine Gewinne erzielen, aus denen sie dies finanzieren könnte. Diesen Grundkonflikt politisch zu thematisieren: Das wäre Aufgabe der Konzernleitung gewesen.

Zudem wirft das Bundesamt für Verkehr der Post zu Recht vor, lieber Subventionen garniert als neue Geschäftsfelder erschlossen zu haben. Auch hier wäre eine umsichtigere Führung durch die Konzernspitze möglich gewesen. Die Post zahlt nun den Preis für die Versäumnisse: Es dürften in Zukunft mehr Busleistungen ausgeschrieben und dem Wettbewerb ausgesetzt werden, damit die PostTochter keine Monopole mehr ausnutzen kann. Post-Chefin Ruoff schweigt derzeit. Dabei reicht abwiegeln nicht mehr. Vielmehr sollte sie Versäumnisse eingestehen und sich so schnell wie möglich erklären.

Fabian Fellmann

fabian.fellmann@luzernerzeitung.ch


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