Arbeitgeber fordern Kita-Offensive

ARBEITSMARKT ⋅ Ein Ausbau von Kinderkrippen und Tagesschulen, finanziert von der öffentlichen Hand: Damit will der Arbeitgeberverband Frauen zu höheren Pensen animieren.
09. Oktober 2017, 00:00

Der Ruf nach mehr Staat ertönt für gewöhnlich nicht seitens der Wirtschaft. Doch der Schweizerische Arbeitgeberverband macht jetzt genau das. In seinem Papier zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das er in diesen Tagen aktualisiert, fordert er die öffentliche Hand explizit dazu auf, mehr Geld in den Ausbau von Kinderkrippen und Tagesschulen zu stecken. Es handle sich um eine Infrastrukturleistung, die der Staat finanzieren müsse, sagt Simon Wey, stellvertretender Leiter des Ressorts Arbeitsmarkt beim Arbeitgeberverband. «Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer beteiligen sich mit Unternehmens- und Einkommenssteuern an den Kosten», ergänzt er.

Der Grund für die geforderte Fremdbetreuungsoffensive ist der Fachkräftemangel. Der Arbeitgeberverband möchte vor allem gut ausgebildete Frauen für höhere Arbeitspensen gewinnen – und dafür sorgen, dass die Kitakosten den Zusatzverdienst nicht gleich wieder zunichtemachen. Wey verweist auf Daten des Bundesamtes für Statistik, gemäss denen 15 Prozent der Mütter mit Teilzeitjob gerne mehr arbeiten würden. Insgesamt wittert der Arbeitgeberverband dank besseren Rahmenbedingungen für Familien ein Arbeitskräftepotenzial von 10000 bis 15000 Stellen.

Der Bund geht davon aus, dass nach wie vor eine Nachfrage nach zusätzlichen Fremdbetreuungsangeboten besteht. Derzeit sind beim Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) 252 Gesuche für eine Anschubfinanzierung hängig, die zu 6000 zusätzlichen Plätzen führen würden.

Neues Programm soll Kosten senken

Bis Anfang Oktober wurden mit insgesamt 363,4 Millionen Franken aus dem Bundestopf 56300 neue Plätze für Fremdbetreuung geschaffen. Der Bund unterstützt diese Bestrebungen seit 14 Jahren. Voraussichtlich Ende Jahr wird eine Studie vorliegen, die aufzeigen soll, wie hoch Angebot und Nachfrage sind. Das aktuelle Anschubfinanzierungsprogramm des Bundes läuft im Januar 2019 aus. Doch bereits im Juni 2017 hat das Parlament weitere 100 Millionen Franken für die Förderung von familienergänzenden Betreuungsangeboten gesprochen. Damit soll nicht mehr die Schaffung von Betreuungsplätzen an sich unterstützt werden. Ziel ist es künftig, die Kosten für Betreuungsplätze zu senken und die Angebote besser an die Bedürfnisse der Eltern anzupassen.

Der Schweizerische Städteverband begrüsst dies. «Damit ist ein erster und wichtiger Schritt getan», sagt Direktorin Renate Amstutz. Denn bisher seien hauptsächlich Städte und Gemeinden für die laufenden Kosten aufgekommen. (kä/dlw)3

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