Kommentar

Auch legale Routen prüfen

30. November 2017, 00:00

Wirtschaftsmigration aus Afrika lässt sich kaum abstellen. Grenzen lassen sich nicht einfach dichtmachen, und den Kontinent mit europäischem Geld zu überschwemmen, fruchtet auch zu wenig. Zwar macht es Sinn, zur Bekämpfung der Fluchtursachen in die Wirtschaftskraft der Herkunftsländer zu investieren. Aber Migration geht nicht im Gleichschritt mit der Armut zurück. Im Gegenteil: Nigeria, das eine der höchsten Pro-Kopf-Wertschöpfungen Afrikas aufweist, stellte mit rund 38000 Menschen im Jahr 2016 die grösste Gruppe Ankommender in Italien.

Weil sich Migration kaum verhindern lässt, sollte man sie in geordnete Bahnen lenken. Arbeitsvisa und Stipendien sind das, was afrikanische Staaten wirklich wollen. Wenn man deren Zusammenarbeit bei Rückführungsabkommen und im Kampf gegen das Schlepperwesen will, sollte man deren Interessen ernst nehmen. Ausserdem ist auch Europa auf zusätzliche Arbeitskräfte angewiesen. Schon jetzt beschäftigt die süditalienische Landwirtschaft Tausende afrikanische Migranten, die sich oft ohne jegliche Rechte verdingen.

Wie hoch allfällige Migrationskontingente ausfallen sollten, ist schwierig zu sagen. Vor vier Jahren kamen jedes Jahr knapp 10000 Nigerianer in Italien an. Diese Zahl könnte eine Diskussionsbasis bieten. Zum Vergleich: Bereits jetzt erhalten jedes Jahr rund 400000 Afrikaner eine Aufenthaltsbewilligung. Grenzschutz, Rückführungsabkommen und Wirtschaftshilfe sind zentrale Bestandteile der Migrationspolitik und sollten es auch bleiben. Zu prüfen sind wohl aber auch legale Wege nach Europa. Migration aus Afrika wird es noch eine ganze Weile geben – man sollte sie ernst nehmen.

Remo Hess

nachrichten@luzernerzeitung.ch


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