Kommentar

Aufbruch mit langem Atem

09. September 2017, 00:00

Trotz des Erfolgs des Lucerne Festival, den dieser Sommer bestätigt: Dass Michael Haefliger jetzt seinen Vertrag als Intendant bis ins Jahr 2025 verlängert, kommt einigermassen überraschend. Denn das Scheitern der Pläne für eine Salle Modulable, die er lanciert hatte, war auch eine persönliche Niederlage für ihn. Jetzt zeigt er doppelt Format, indem er diese Enttäuschung wegsteckt und sich für insgesamt ein Vierteljahrhundert an das Amt bindet.

Das ist ein Glücksfall nicht nur, weil Haefliger mit Grossprojekten wie dem Festival-Orchester und der Academy dem Orchesterfestival zu weiterer internationaler Ausstrahlung verhilft. Auch die Öffnung für gesellschaftliche Themen und ein breiteres Publikum wurde noch nie so greifbar wie in diesem hervorragenden Jahrgang, der morgen zu Ende geht.

Da zeigten Multimedia- oder Flüchtlingsprojekte, wie Haefliger begonnene Ansätze auch ohne Salle Modulable allmählich, aber spektakulär weiter- entwickelt. Bei einem Unternehmen mit langen Planungsvorzeiten sind acht Jahre dafür gerade richtig. Denn man kann sich vom ungebrochenen Elan dieses Intendanten weitere Überraschungen versprechen. Hinzu kommt eine Sponsorenpflege, die in einem schwierigen Sparumfeld die Grundlage des zu 95 Prozent privat finanzierten Festivals sichert.

Die Zeiten, den Aufbruch wei­terzuführen, sind günstig, weil auch bei wichtigen Partnern des Festivals die Zeichen auf Aufbruch stehen. Wie attraktiv Luzern ohne Salle Modulable für innovative Intendanten ist, wird sich weisen, wenn sich auch beim Luzerner Theater demnächst die Frage der Vertragsverlängerung stellt.

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch


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