BAV-Chef greift Bahnen an

UNTERBRUCH ⋅ Falsche Prioritäten, zu nationale Sicht: Die Sperrung in Rastatt decke alle Schwächen des Schienengüterverkehrs auf, sagt der Direktor des Bundesamts für Verkehr.
14. September 2017, 00:00

Tobias Gafafer

Die Sperrung der Rheintalstrecke Basel–Karlsruhe in Rastatt trifft den Güterverkehr auf der Schiene hart. Im Interview kritisiert Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV), nun das Krisenmanagement der Branche. «Der Verkehr ist sofort zusammengebrochen, die Umfahrungsmöglichkeit über Frankreich funktioniert bis heute unbefriedigend.» Die Bahnen hätten eine viel zu nationale Sicht.

Auch nach einem Monat werde nur rund ein Viertel der betroffenen Güterzüge umgeleitet. Krisensitzungen seien viel zu spät einberufen worden. Füglistaler sagt weiter, der für Europa zentrale Güterverkehr habe zu wenig Priorität. Es sei leider tabu, den Personenverkehr temporär zu Gunsten von Güterzügen auszudünnen. «Die Bahnen hätten den Ersatz von Personenzügen durch Busse prüfen können.» Es geht um mögliche Ausweichstrecken wie Stuttgart–Schaffhausen.

Bis jetzt nicht mehr Lastwagen am Gotthard

Die Transporteure warnen, der Unterbruch gefährde die Verlagerungsziele. Füglistaler rechnet jedoch nicht damit. «Die Zahl der Lastwagen auf der Gotthard-Autobahn hat bisher nicht zugenommen.» Im alpenquerenden Verkehr sei die Strasse keine Alternative zur Schiene. Nach dem Ende der Sperrung müssten die Bahnen aber alles daran setzen, dass die Güter schnell wieder auf der Schiene seien und das Vertrauen wiederhergestellt werde.

Die Rheintalstrecke soll Anfang Oktober wieder in Betrieb gehen. Vor kurzem räumten auch die Chefs der SBB und der Deutschen Bahn, Andreas Meyer und Richard Lutz, ein, die Lage im Güterverkehr verbessere sich zu langsam. Sie wollen den Bahnverkehr künftig auf Ereignisse wie in Rastatt vorbereiten. 6


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