Belästigung im Bundeshaus

ÜBERGRIFFE ⋅ Ein Strafverfahren gegen den CVP-Vizepräsidenten hat eine Debatte über sexuelle Belästigung ausgelöst. Parlamentarierinnen berichten von weiteren Fällen.
01. Dezember 2017, 00:00

Mehrere Bundesparlamentarierinnen beklagen sich über sexuelle Belästigung. Die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz sagte gestern, ihr seien Sprüche, aber auch «wirklich unangebrachte Gesten» von Parlamentsmitgliedern widerfahren. Mit Verweis auf ihre Privatsphäre machte sie keine weiteren Angaben; auch liess sie offen, ob sie rechtliche Schritte einleite.

Andere erzählen nur unter der Bedingung der Anonymität von unerwünschten körperlichen Annäherungen. Weitere Mandatsträgerinnen berichten von verbalen Übergriffen: Ihr sei von einem Parlamentskollegen mit Vergewaltigung gedroht worden, sagt die frühere Genfer SP-Nationalrätin Maria Bernasconi. Maya Graf, Baselbieter Nationalrätin (Grüne), sagt dazu: «Es ist leider eine Tatsache, dass Sexismus in unserer Gesellschaft noch immer zur Tagesordnung gehört.»

Stalking und Entgleisungen

Die Schweizer Politikerinnen äussern sich öffentlich, nachdem ein Strafverfahren gegen den Walliser Nationalrat und CVP-Vizepräsidenten Yannick Buttet bekannt geworden ist. Wie «Le Temps» gestern berichtete, soll der 40-jährige Familienpolitiker eine ehemalige Geliebte bedrängt und verfolgt haben. Parlamentarierinnen und Journalistinnen berichteten der Zeitung von weiteren Entgleisungen des 40-Jährigen. Buttet räumte «unangemessene Gesten» unter Alkoholeinfluss und während einer Ehekrise ein und entschuldigte sich dafür.

CVP-Präsident Gerhard Pfister verurteilte das Verhalten des Wallisers als «inakzeptabel». Gestern Morgen, wenige Stunden nach Bekanntwerden der Vorwürfe, wurde Buttet auf eigenen Antrag als Vizepräsident der Partei suspendiert. Das weitere Vorgehen wird laut Pfister nun mit dem Nationalrat selbst, dem Parteipräsidium sowie der Kantonalpartei festgelegt. (red)

Kommentar 6. Spalte 3


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