Beratung soll bald kosten

DETAILHANDEL ⋅ Kunden lassen sich im Laden beraten, kaufen dann aber im Internet. Das ärgert den Luzerner Detaillistenverband. Er behält sich eine drastische Massnahme vor.
13. Oktober 2017, 00:00

Alexander von Däniken

Es sei eine «Unsitte», die den Detailhandels-KMU immer mehr zusetze. Dies sagt Heinz Bossert, Präsident des Detaillistenverbands Luzern, dem kantonsweit rund 600 Mitglieder angeschlossen sind. Laut Bossert lassen sich viele Kunden in den Geschäften umfangreich beraten. Nicht ­wenige würden die Produkte ungeniert fotografieren. «Gekauft wird dann aber im Internet, wo die Produkte günstiger sind», ­ärgert sich Bossert.

Gehe dieser Trend weiter, «werden wir im Fachhandel ­früher oder später für solche Beratungsgespräche eine Dienstleistungsentschädigung verlangen müssen; zum Beispiel nach einer Beratungszeit von 15 Minuten», sagt der Verbandspräsident gegenüber unserer Zeitung.

Mehrere Geschäfte arbeiten zusammen

Die Online-Plattformen sind nicht die einzige Bedrohung für die oft familiär geführten Detailhändler. Auch in der realen Welt scheinen sich grosse, internationale Unternehmen durchzusetzen. Und zwar in der Stadt und der Agglomeration Luzern, aber auch auf der Landschaft. Das ­Ladensterben sei so akut wie noch nie zuvor, konstatiert Heinz Bossert. Umso erfreuter nimmt er eine andere Entwicklung zur Kenntnis: Immer mehr Detaillisten arbeiten zusammen, teilen sich die Ladenfläche und gewinnen dadurch Synergien. Aktuellstes Beispiel ist das Geschäft «Sempre Frisch und Fein» in Sempach, das am 26. Oktober eröffnet wird. Die Ladenfläche von 180 Quadratmetern teilen sich überwiegend eine Käsereigenossenschaft und eine Metzgerei. Es werden aber auch Fisch, Obst und Gemüse angeboten. Das Regionale steht dabei im Vordergrund.

Ähnliche Modelle gibt es bereits in Nebikon, Hergiswil bei Willisau und Zell. In letztgenannter Gemeinde gibt es schon seit rund 40 Jahren ein kleines Einkaufszentrum, das auf Initiative eines Detaillisten entstanden ist. Ob solche Partnerschaften reichen, um das Ladensterben aufzuhalten, weiss auch Verbandspräsident Bossert nicht.27

Detaillistenverband Luzern


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