Kommentar

Besser spät als gar nicht

18. Juli 2017, 00:00

Die Justiz hat es an sich, dass ihre Verfahren in der Regel lange dauern: weil die Sach­verhalte komplex sind, weil Gutachten bestellt werden, weil Rechtsmittel eingelegt werden. Das ist das Wesen un­seres Rechtsstaats, den wir nicht missen möchten. Manchmal ist es aber trotzdem so, dass sich die Einsicht in das Funktionieren der Justiz mit unguten Ge­fühlen mischt. Exemplarisch für diesen Fall ist das Schicksal jenes Familienvaters, der nach einem Badeplausch zum Tetraplegiker wurde.

Gewiss, Baden ist mit Risiken verbunden, und die sind höchstpersönlich zu tragen. Doch damit ist die Sache nicht erledigt. Denn es gibt Gefahren, auf die jene, die sich Risiken aussetzen, explizit hinzuweisen sind. Zum Beispiel beim Sprung in die Untiefen eines stark fre­quen-tierten Badeorts. So, wie es heute an besagtem Ort endlich der Fall ist.

Geschlagene drei Jahre nach dem tragischen Unfall ist klar, dass sich die Luzerner Staats­anwaltschaft nun doch mit den strafrechtlichen Folgen des Vorfalls befassen muss. In der gleichen Zeit hätte ein gericht­liches Verfahren möglicherweise zu beurteilen vermocht, ob das Verhalten der Verantwort­lichen strafrechtlich relevant war oder nicht. Es würde für alle Beteiligten Klarheit herrschen.

Das gehört eben auch zum Wesen der Justiz: dass durch die Klärung von Zuständig­keiten und Sachverhalten Zeit vergeht, die Wunden nicht heilen, sondern schwären lässt – sowohl bei jenen, die den Schaden davongetragen haben, als auch bei jenen, die möglicherweise (Mit-)Verantwortung tragen. Wenig tröstlich, aber: besser späte als gar keine Klärung. Wie sie auch immer aus­sehen wird.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch


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