Botschafter räumt Fehler ein

TÜRKEI ⋅ Ein Jahr nach dem versuchten Putsch rechtfertigt der türkische Botschafter in der Schweiz das Vorgehen gegen Regimegegner. Er fordert mehr Verständnis für sein Land.
14. Juli 2017, 00:00

Isabelle Daniel, Roman Schenkel

Morgen jährt sich der versuchte Militärputsch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und seine Regierung. Aus diesem Anlass laden die türkischen Vertretungen weltweit heute zu Pressekonferenzen – auch in der Schweiz. «Die Türkei hat ein Imageproblem in Europa», erklärt Ilhan Saygili, türkischer Botschafter in der Schweiz, im Interview die PR-Offensive.

Im Jahr nach dem versuchten Umsturz haben unter dem verhängten Ausnahmezustand in der Türkei mehr als 100000 Staatsbedienstete ihren Job verloren, über 50000 Verdächtige sitzen im Gefängnis. Die meisten Betroffenen sollen zur Gülen-Bewegung gehören, die von Ankara für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird. Doch die politischen Säuberungen haben auch Tausende kurdische Oppositionelle, kritische Journalisten, Wissenschafter und andere Gegner Erdogans getroffen. Dafür wird die Türkei international scharf kritisiert.

«Natürlich werden auch Fehler gemacht», räumt Botschafter Saygili ein, um das Eingeständnis sofort zu relativieren: Sein Land befinde sich im Ausnahmezustand. «Wir erwarten Verständnis», so Saygili, der sich von internationalen Partnern enttäuscht zeigt. «Nach dem Putschversuch fühlten wir uns alleingelassen», sagt er. Dabei sei «das Ganze von einer bösartigen Organisation durchgeführt worden, die in den letzten 30 bis 40 Jahren alle staatlichen Institutionen, die Armee, die Polizei, den Bildungssektor unterwandert hat».

Solange die staatlichen Einrichtungen nicht von Mitgliedern von Fetö, so nennt die türkische Regierung Anhänger des Predigers Fethullah Gülen, gesäubert seien, werde der Ausnahmezustand beibehalten. Dank des Notstandes habe die Türkei jetzt die legalen Mittel, um gegen die Bewegung vorzugehen.

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