Der Kronfavorit erklärt sich

BUNDESRATSWAHLEN ⋅ Als Kind träumte Ignazio Cassis von einem Job als Tramführer. Nun will der Tessiner FDP-Nationalrat Bundesrat werden – und die Italianita fördern.
15. Juli 2017, 00:00

Kari Kälin

Die Konstellation scheint günstig. Wenn die Vereinigte Bundesversammlung in der Herbstsession einen Nachfolger für Didier Burkhalter kürt, könnte es nach einer 18-jährigen Durststrecke endlich wieder einmal ein Tessiner in den Bundesrat schaffen. Als Kronfavorit gilt der FDP-­Nationalrat Ignazio Cassis.

«Die Schweiz geht ohne Tessiner Bundesrat nicht unter», sagt Cassis im Interview mit unserer Zeitung. Der nationale Zusammenhalt sei aber kein Selbstläufer. Man müsse Sorge zu ihm tragen. Cassis ist sich bewusst, dass er die hohen Erwartungen in seinem Kanton unmöglich erfüllen kann, wenn er tatsächlich in die Landesregierung gewählt würde. Der 56-jährige Arzt ist aber überzeugt, dass er konkrete Erfolge erzielen und zum Beispiel die Mehrsprachigkeit fördern könnte.

Bei einem Unfall einen Finger verloren

Im Tessin gebe es allen Grund zur Zuversicht, sagt Cassis. Wirtschaftlich gehe es dem Kanton besser als vor zehn Jahren, der Finanzplatz rapple sich wieder auf, und die Industrie boome. Die Tessiner hätten aber die Tendenz, das Glas halb leer anstatt halb voll zu sehen. In der öffentlichen Wahrnehmung dominiere die Schwarzmalerei. Der Bundesrat habe jedoch auch lange nicht realisiert, wie hoch der Druck auf den Arbeitsmarkt im Süden sei.

Cassis ist ein politischerQuer­einsteiger. Als Teenager faszinierten ihn Trams. Wegen eines Unfalls, bei dem er einen Finger verlor, interessierte er sich auch schon früh für den Arztberuf.5

«Die Schweiz geht ohne Tessiner Bundesrat nicht unter.»

Ignazio Cassis

Tessiner FDP-Nationalrat


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