Kommentar

Die nächste Prüfung

11. November 2017, 00:00

In den 21 Jahren, seit Wertpapiere in der Schweiz nur noch elektronisch gehandelt werden, ändert die Börse ihren Namen nun schon zum siebten Mal. Die durchschnittliche Halbwertszeit der Firmenbezeichnung von nur drei Jahren lässt erkennen, wie hoch das Tempo der Veränderungen in diesem Markt seit Mitte der 1990er-Jahre ist.

Zehn Jahre nachdem die Auf­hebung der nationalen Börsenmonopole auch in allen europäischen Ländern gesetzlich verankert ist, wird sich das Tempo der Veränderungen weiter beschleunigen. Die gestern verkündete Namensverkürzung von Six Group auf SIX mag zwar eher kosmetisch erscheinen. Doch die damit einhergehende Botschaft ist weitreichend: Die SIX kann sich eine Verzettelung nicht mehr leisten. Die Wellen der digitalen Revolution schlagen auch im Finanzsektor immer höher. Der Tag ist möglicherweise nicht mehr fern, an dem grosse, branchenfremde Technologiekonzerne vom Kaliber einer Alphabet – dem Mutterkonzern von Google – oder Apple mit der Abgabe mannigfaltiger Gratisdienstleistungen auch den Banken das Fürchten lehren.

Für diese wird die neue Konkurrenz zur grossen Herausforderung: Noch bevor die Banken ihre Altlasten aus der letzten Krise abgetragen und die Kosten ihren tieferen Gewinnen angepasst haben, steht also bereits die nächste Prüfung an. Eine Überlebenschance gegen den grossen digitalen Sturm haben die Banken aber nur, wenn sie ihre Kräfte gemeinsam mobilisieren. Der Börsenwert von Apple ist erst kürzlich auf 900 Milliarden Franken gestiegen. UBS und Credit Suisse bringen zusammen gerade mal einen Neuntel davon auf die Waage.

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch


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